Manche starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr, das Londoner Quartett Dry Cleaning steht wohl mehr auf Augenspülungen. Das von der kanadischen Künstlerin Erica Eyres gemalte Albumcover zu „Secret Love“ ist ebenso merkwürdig wie das Album selbst.
Das dritte Album von Florence Shaw und ihren Bandmitgliedern wurde von Cate Le Bon produziert und in verschiedenen Studios weltweit eingespielt, was dem unsteten Charakter der 11 Tracks sehr wohl bekam.
Denn die Musik von Dry Cleaning verortet sich irgendwo zwischen britischem 80er New Wave und den Pixies, kommt direkt aus den hintersten Ecken des Hinterstübchens und ist definitiv eines dieser Grower-Alben. Musik, die sich erst nach mehrmaligem Hören beginnt zu erschließen.
Das mag an der Wilco erprobten Cate Le Bon liegen, wie auch an der Disharmonie zwischen Sprechgesang und Instrumenten, die uns Dry Cleaning als Stilmittel anbieten.
Das ist die Faszination, die von Titeln wie der Singleauskopplung „Hit My Head All Day“ ausgeht. Florence Shaws erörternder Sprechgesang, dazu ein verschwurbelter 80ies New Wave Beat, der mit einem Akkord konkurriert, der locker als zweite Gesangsstimme herhalten würde.
Total verquere Lyrics, wie die des „Cruise Ship Designer“, der sich selbst einredet, der Menschheit etwas Gutes zu tun – nur, um das Gehör an einem Pixies-ähnlichen Basslauf haften zu lassen, der selbst Kim Deal die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.
Wer soweit noch dabei ist, darf sich über Unterhaltungen zum Thema Putzen freuen („My Soul Half Pint“) und wie man – trotz mangelndem Selbstbewusstsein Partnerschaften eingeht („Secret Love“, „Let Me Grow And You´ll See The Fruit„) erfreuen. Mäandernde Tracks, die sich zugunsten der wortstarken Florence Shaw in Zurückhaltung üben.
„Blood“ zerrupft seine Beatlastigkeit an der kakophonischen Berichterstattung, der „Evil Evil Idiot“ hängt anklagend wie ein Köder an der Stonerrockangel, schwingt im Takt der Basssaiten hin und her und erwehrt sich stoisch der aggressiven Riffgitarren.
Schrammelnd hektisch bewährt sich „Rocks“ als Instrumentalintermezzo, das allerlei Klanggimmicks gegen den emotional reservierten Sprechgesang auffährt.
Gefrustet und doch gleichgültig wirkt der Einsatz von Florence, die bei „The Cute Things“ vollkommen durcheinander sogar Gesang anstimmt. Das harmoniert gar wunderbar mit der klampfenden Indie-Folk-Hymne, die zwar etwas Zeit braucht, um im Gehör zu verweilen, danach aber Ohrwurmqualität hat.
„I Need You“ wiederum gibt sich mit fuck the world Lyrics als unnahbar kühles Downtempo-New-Wave-Werk, mit dem man die Bangerqualitäten von „Joy“ nur verstärkt.
Dieser das Album abschließende Titel hängt an den Saiten, die als – Zweitstimme agierend – sogar Florence Shaws kühle Sprecheinlage derart erwärmen, dass man sich an glorreiche Alternative-Rock-Zeiten erinnert, die irgendwann zwischen Ende der 80er und Anfang der 90er ihre Hochphase hatten.
Florence Shaw fährt Ihren eigenen Film, wenn sie akzentuiert die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, die bei „Secret Love“ selten wirklich auf den Instrumenten liegt.
Auch, wenn die Mischung aus New-Wave-Rhythmen und schroffen Gitarren einen gewissen Nostalgiefaktor aufweist, sind es doch die wortreichen Texte, die Dry Cleanings Musik so interessant macht. Ob das ausreicht, wird sich erweisen.
