Dry Cleaning haben gestern ihre neue Single „Let Me Grow And You’ll See The Fruit“ inklusive Musikvideo veröffentlicht. Der Song stammt von ihrem neuen Album „Secret Love“, das am 9. Januar 2026 via 4AD erscheint.
Die dritte Vorabsingle des neuen Albums klingt deutlich gedämpfter als ihre Vorgänger, fast schon meditativ. Während Dry Cleaning auf den ersten beiden Auskopplungen aus „Secret Love“ noch ordentlich auf die Tube drückten, nehmen sie hier den Fuß vom Gas und lassen Florence Shaw in aller Ruhe über Hyperfokus und Einsamkeit sinnieren.
„Er ist wie ein Geständnis, ein Tagebucheintrag“, sagt die Sängerin über den Song. Und tatsächlich fühlt sich „Let Me Grow And You’ll See The Fruit“ an wie ein versehentlich mitgehörtes Selbstgespräch, nur eben mit 60er-Folk-Anleihen von Pentangle und einem Saxophon, das sich durch die Klanglandschaft schlängelt.
Das Quartett aus Südlondon – Shaw, Gitarrist Tom Dowse, Schlagzeuger Nick Buxton und Bassist Lewis Maynard – zeigt auf seinem dritten Album eine bemerkenswerte Bandbreite. Von Reagan-Paranoia über frühen US-Hardcore bis hin zu Keith-Richards-Lässigkeit und dystopischem Stoner-Rock ist alles dabei.
Schon auf ihrem zweiten Album „Stumpwork“ (2022) präsentierten Dry Cleaning Songs, die laut MusikBlog-Review das „bisher führende Attribut Post-Punk nicht nur dezent in Frage stellten“. Diese Experimentierfreude treiben sie auf „Secret Love“ noch weiter.
Florences monotoner, fast beiläufiger Vortrag verleiht den Songs eine eigenartige Dringlichkeit, als würde jemand beim Abwasch plötzlich die Geheimnisse des Universums ausplaudern.
Die Mischung aus verspieltem No-Wave und zarten Gitarrenpickings auf dem neuen Album unterstreicht diese besondere Chemie, die Dry Cleaning seit ihrem Debüt „New Long Leg“ (2021) perfektioniert haben.
Für „Let Me Grow And You’ll See The Fruit“ hat das Chicagoer Jazz- und Metal-Multitalent Bruce Lamont sein Saxophon beigesteuert – und darf im dazugehörigen Video auch gleich selbst tanzen.
Choreografiert von Bullyache und inszeniert von Cuan Roche, vollführt Lamont mit oranger Sonnenbrille vor einer Backsteinmauer einen betont nüchternen, interpretativen Tanz. Die industrielle Kulisse erinnert an das Video zu „Hit My Head All Day“ – nur dass diesmal statt roher Energie eine fast meditative Intensität herrscht.
