Wenn das letzte Sommerlicht im Herbstgrau verblasst und die Tage kurz werden, schlägt die Stunde des Sad-Girl-Pop. Elena Tonra, Stimme der Londoner Band Daughter, liefert den Soundtrack: Mit „Save As“ kehrt ihr Soloprojekt Ex:Re zurück.
Nach dem selbstbetitelten Debütalbum von 2018 war das Projekt eigentlich als einmaliger Ausflug gedacht. Doch als Tonra 2023 mit Produzent Fabian Prynn alte Songskizzen hervorholte, funkte es erneut. Eine große Erzählung gibt es nicht, nur das, was sie am besten beherrscht: das Grübeln, das uns vereinnahmt, und die Orte, an die wir flüchten, um uns selbst zu entkommen.
Den Auftakt macht „Radio Station“, ein endloser Roadtrip durch Kalifornien, der in Wahrheit durch Tonras Kopf führt. Das ständige Umschalten des Senders stehe für ihren Gemütszustand, sagt sie: Am Ende bleibe sie stecken, weil sie keine Entscheidungen treffen könne.
Ausgerechnet dieser Song hat die klarste Struktur und den entschlossensten Gesang, mit einer Spannung, die unter der Oberfläche brodelt. Die übrigen Stücke verlieren sich gern in verhallten Schleifen, ohne den Ausgang zu suchen.
Musikalisch mischt das Album Indie-Pop, Dream-Pop und Indie-Rock zu einem dunklen, schönen Ganzen. Trip-Hop-Beats schlurfen darunter, dazu schlichte Moll-Akkorde am Klavier und ein schwermütiges Cello. Tonras Stimme haucht, wabert und nuschelt, klingt oft gefiltert und weit entfernt, mit einem Hauch von Florence Welch.
„Am I Even Real?“, ein Duett mit Prynn über die Frage nach der Treue sich selbst gegenüber, erinnert mit seiner desolaten Lyrik und dem gefährlich dunklen Elektro-Pop an Banks’ „Goddess“ (2014) und „The Altar“ (2016).
„Frozen Aisle“ nimmt etwas Menschliches und verwandelt es in eine Herzensangelegenheit: „I’m looking for ice cream“ – diese Tragödie spielt im Supermarkt. Ein langsamer, wahrhaft eindringlicher Song, der einen in den endlosen Hall und die gleitenden Glissandi der Streichinstrumente versinken lässt.
Mit „Wasp“ werden wir aus dem Loch der Verzweiflung gehoben, in das uns die vorigen Songs geworfen haben: Lebhaftes, weiterhin melancholisches Akustikgitarren-Strumming rüttelt uns wach, und die Stimme rückt im Mix in den Vordergrund, weg vom verhallten Dunst.
„Healing (Slow)“ führt schließlich an einen hoffnungsvolleren Ort: Die liebliche Melodie rührt fast zu Tränen, und zarte Klavierfiguren sowie ein leichterer Gesang ziehen sich durch den Refrain.
Im Vergleich zu Daughter klingen Tonras Solowerke eine Spur düsterer, und genau das macht „Save As“ so reizvoll. Ein Album für lange, dunkle Abende, das keine Antworten liefert, aber das tröstliche Gefühl, mit dem eigenen Gedankenkreisen nicht allein zu sein.
