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Eminem – The Marshall Mathers LP 2 – kämpft mit der Wut

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Aus dem blonden Bengel aus dem schmuddeligen Trailerpark in Detroit wurde der größte weiße Rapper der Welt. Immer mit diesem besonderen Rundumschlag-Humor rappte sich Eminem von kleinen lokalen Auftritten in die größten Hallen. Als das Enfant Terrible Marshall Mathers mit 14 anfing, zu rappen und sich in der Szene um Detroit einen ersten Namen machte, mochte schon der eine oder andere ahnen, wo der Weg des wütenden, weißen Jungen noch hingeht.

Nach Schulabbruch und Aushilfsjobs blieb ihm fast nichts anderes mehr übrig, als die Flucht nach vorne. Nach ein paar unbeachteten Mixtapes veröffentlichte er als Protegé von Über-Produzent Dr. Dre 1999 endlich das Meilensteinalbum ,,The Slim Shady LP“. In der Zeit hat er bereits einen Suizidversuch hinter sich, eine kleine Tochter, ein Adoptivkind und steckt in einer schwierigen Beziehung mit seiner wahrscheinlich einzigen großen Liebe Kimberly.

Doch Marshall lassen seine Dämonen nicht los. Immer wieder zerbricht die Beziehung zur Mutter seines Kindes. Jahre später die erneute Hochzeit, das Band zwischen den beiden, die sich bereits seit ihrer Jugend kennen, zerreißt wieder. Kaum einer weiß in dieser Zeit, wie schlecht es ihm eigentlich geht.

Ohne Betäubung zieht Slim Shady keine Show durch. Dass er ein Jahrzehnt unter dem Einfluss von Schmerzmitteln stand, kam erst 2011 in die Öffentlichkeit, nachdem Eminem erklärte, es ginge ihm nach einem Entzug erstmals wirklich gut. Der weiße Junge, der mit so ziemlich allem ausgezeichnet wurde, was es zu erreichen gib,t drogenabhängig? Kaum vorstellbar. Bildete man sich doch ein, ihn zu kennen. Was hatte er schließlich in all der Zeit nicht alles vor einem Millionenpublikum ausgebreitet. Die extrem schwierige Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, mit einer drogenabhängigen Mutter. Das ewige Mobbing an zig Schulen, Prügeleien bis zur Bewusstlosigkeit. Der fehlende Vater. Der Selbstmord seines Onkels.

Das alles schien sich in den kleinen Mathers hineingefressen zu haben und Jahre später spuckte er es einem in musikalischer Form zurück ins Gesicht. Ein Hilferuf, wenn er vom Mord an seiner Mutter fantasiert? Die wenigsten verstehen ihn als das und bewundern ihn auf der Bühne, wenn er wieder einmal kleine Fetzen seiner Seele ins Publikum schmeißt. Auch nach dem Tod von D12-Kollege Proof leidet er zurückgezogen. Die ganz großen Gefühle behält er für sich. Schon immer ambivalent sein Verhältnis zur Öffentlichkeit. Jeder weiß alles über ihn, spätestens nach dem Bio-Pic ,,8 Mile“. Und dann wieder doch nicht. Kaum einer weiß wo er wohnt, wofür er sein Geld ausgibt, ob er mit seinen pubertären Kindern kämpft. Und ob in diesem Krieg gegen sich selbst mittlerweile Frieden eingekehrt ist.

Um nicht als ewig schlechtgelaunt dazustehen, veröffentlicht er, meist zum Release eines neuen Albums, einen humorvollen Track, in dem er gegen Hollywoods erste Brigade schießt. Waren es in den Nuller-Jahren noch Britney Spears und N*SYNC, auf die er sich eingeschossen hatte, teilt er jetzt gegen Reality-Starlets wie Khloé Kardashian und deren Mann aus. Die alten Feinde gibt es fast nicht mehr, haben sich getrennt oder regen einfach nicht mehr auf. Ob er das Draufgehaue immer noch nötig hat? Seinen Jüngern ist das egal, sie kaufen hörig seine Platten, Eminem ist trotz seiner medialen Diät in den letzten Jahren der Künstler mit den meisten Facebook-Fans. Mit Abstand. Er ist nicht mehr der vorlaute Junge im weißen T-Shirt und den weiten Hosen.

Schon lange ist sich Eminem seiner Macht bewusst. Seine Fans von damals sind erwachsen geworden und schauen immer noch zu ihrem weißen Messias auf. Akzeptieren was er spricht, aber nehmen nicht mehr alles einfach hin. Eminem als wohlwollender, lebenserfahrener Onkel, der Geschichten vornehmlich aus seinem eigenen, kuriosen Leben vorliest? Undenkbar.

Eminem will gehört werden und das schafft er mit seiner neuen Platte ,,The Marshall Mathers LP II“ wieder einmal. Klar muss sich wieder ein Rihanna-Feature darauf befinden, auch ein Rap-Star setzt auf alte Zugpferde. Auch ansonsten bedient sich Eminem wieder weiblichen Vocals im Refrain, das kennen wir schon von früher aus Hits wie ,,Stan“ mit Dido. Schon im ersten Track „Bad Guy“ ein reflektierter Marshall. Er hasst es, der ewige böse Junge zu sein, zudem er sich selbst gemacht hat. Der Rapper am Herd, wie er seinen Töchtern Spaghetti kocht? Das will niemand sehen.

Auch völlig klar: ein Soundausschnitt, in dem Schüsse fallen, solche kleinen Sound-Geschichten kennt man von beinahe jedem seiner Alben. Ein Spleen. Ein Spiel. Aber schon im nächsten Song eine Überraschung: Ein Rap zu Oldie-Klängen und Eminem versucht zu singen, was sich gar nicht so schlecht anhört. Es stellt sich die Frage, wer sein Vater ist? Weiß er nicht. Vielleicht ist diese Frage hiermit endlich abgehakt. Mit ,,Survival Of The Fittest“ beschreibt er sich selbst, zu niemandem anderem passt diese Maxime besser als zu dem Reimkönig. Dass er zu den besten, stärksten, wendigsten gehört, ist seit Jahren klar. Und auch in einem der nächsten Tracks reflektiert sich Marshall selbstironisch: Jeder weiß, dass er ein A…. ist und die Menschen wollen heimgehen, wenn er den Raum betritt.

Ob das sein aktuelles Lebensgefühl immer noch beschreibt? Man wünscht es ihm nicht. Das komische, ungezähmt-bröckelige „Berzerk“ will so gar nicht in das sonst so stimmige Album passen. Rick Rubin hin oder her, man kann sich keine Situation vorstellen, in der dieses Lied passen soll. Nacktschnecke Rihanna räumt in ,,The Monsters“ mit den Monstern unterm Bett auf. Mit Monstern kennt sich Eminem bestens aus, noch heute plagt er sich mit den Dämonen der Vergangenheit. Absolutes Highlight: ,,So Far“, ein holpriger, frischer Track mit Country -(ja Country!) Elementen. Das Duett mit ,,Fun“-Frontman Nate Ruess kitscht so vor sich hin, einen würdigen Abschluss findet das Werk schließlich mit ,,Evil Twin“, in dem Eminem mit seiner ewigen Wut ins Gericht geht.

Es fällt auf, dass die ganzen ,,Minaj-West-Jay-Z“-Beats fehlen und die Platte destillierter Eminem-Sound ist. Es reiht sich problemlos in die Liste der bisherigen Alben ein, ohne sich zu wiederholen. Eminem ist reifer geworden. Ein bisschen haben sich Slim Shady und Marshall mittlerweile versöhnt. Vielleicht ist er noch nicht heiler, aber er bemüht sich um einen Abschluss mit der quälenden Vergangenheit. Und wandelt nebenbei wieder auf den Anfangspfaden seiner Karriere. Ob es da Zufall ist, dass das Haus auf dem Cover von ,,Marshall Mathers LP II“ das Haus ist, indem er aufgewachsen ist, gerade zum Verkauf steht?

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