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Melt! Festival 2015

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Wer ein vereintes Europa ohne Streitereien sucht, kommt zum Melt!. Die längst zum Mekka der Festival-Crowd gewordene Veranstaltung lockte erneut 20.000 Menschen aus allen Teilen des Kontinents zum Karneval der Kulturen auf das Gelände von Ferropolis.

Nomen est omen verschmolzen die Veranstalter wieder ein umwerfendes Programm aus Elektro, Indie und Rock, garniert mit Dutzenden DJ`s, die über 72 Stunden Beschallung garantierten. Wenn auch neben Newcomern und alten Hasen auf der Liste der über 125 geladenen Akteure einige große Namen zu finden waren, galt wie stets das Motto: „Der Star ist die Mannschaft“.

Während Melt!-Urgestein Markus Kavka am Freitag-Nachmittag die Turntables auf der Big Wheel Stage drehte, waren die Gäste, die es vor der Technik-Panne am Check-In auf das Areal geschafft hatten, noch damit beschäftigt, sich zu orientieren. Etwas Ortskunde empfiehlt sich auch, um auf dem weitläufigen Gelände die kürzesten Haken zwischen den Spielorten schlagen zu können.

Auf der Mainstage eröffnete die Schwedin Tove Lo den Reigen vor einer noch lichten Menge von Zuhörern, was sich bei den darauf folgenden Austro-Poppern von Bilderbuch änderte. Vor einem Jahr noch im Nachmittags-Programm auf dem Kosmonaut, jetzt am Abend Mainstage Melt! – eine rasante Entwicklung der Band, beflügelt durch ihr Album „Schick Schock“, deren Songs „Softdrink“ und „Barry Manilow“ entsprechend gefeiert wurden.

Durch eine kurzfristige Änderung des Line-Up der Gemini-Stage gingen dort mit Years & Years die Band der Stunde relativ früh in den Ring. Ihr Erstling „Communion“ ging in England von null auf eins, live wirkten die Jungs noch etwas gebremst, da half auch der Hit „King“ nicht entscheidend weiter. Nach ein paar Takten von Jamie xx vor dem Melt! Selektor am Beach (wo man wahlweise am oder im Wasser tanzen konnte) zurück vor die Hauptbühne, auf der gerade Mogwai ihre Ambient-Postrock-Drohne aufsteigen ließen. Dunkel, laut und wunderbar gefährlich klang das, was die Herren in ehrlicher Handarbeit aus ihren Gitarren zauberten.

Im Intro-Zelt erfreuten sich die Fans am gängigen Zeitgeist-Pop von Sizarr und La Roux, während auf der großen Bühne London Grammar samt Streicher-Ensemble einen sphärischen Auftritt hinlegten. Die Kombination aus der beeindruckenden Stimme von Sängerin Hannah Reid, der Lightshow auf den Baggerarmen und den reichlich funkelnden Sternen sorgte für Serotonin-Schübe, die den Glitzer in den vielen Gesichtern noch heller strahlen ließ. Der Vortrag ihrer überwiegend gebremsten Stücke wie „Nightcall“ hatte etwas von einer Messe im Freien, welche Komponist, Tastenvirtuose und Soundingenieur Nils Frahm als rauschhaftes Neo-Klassik Open Air fortsetzte.

Die Stunden zwischen dem Öffnen der Augen (falls diese überhaupt geschlossen wurden) und dem ersten Gang auf das Gelände sind lang, es empfiehlt sich neben dem Besuch der ortsansässigen Getränkehändler rund um Ferropolis auch das Bad im See gegenüber der Bagger, wo man die unablässig herüber wummernden Bässe auch beim Tauchen hören kann. Alle, die lieber zwischen ihren Zelten dösten, bescherte der Nachmittag einen amtlichen Gewitterguß mit Hagel, welcher nicht nur Nachteile brachte, schließlich konnte mit den zusammen geschobenen Eisstücken endlich das Bier vernünftig gekühlt werden.

Als Malky nach Aufhebung der Unwetterwarnung am frühen Samstag-Abend die Bühne betrat, standen viele Wristband-Träger noch an der Zeltplatz-Dusche an, um sich fit für die Nacht zu machen, entsprechend schütter sein Auditorium. Viel mehr waren dann bei den diesjährigen Festival-Überfliegern Wanda aus Österreich vor Ort, die einmal mehr mit ihrer liebestrunken-rustikalen Show zu überzeugen wussten. Vehemente Forderungen nach Zugaben konnten leider aufgrund des straffen Zeitplans nicht berücksichtigt werden.

Abgesehen vom YouTube-Aufsteiger Kwabs war das Intro-Zelt an diesem Abend in einheimischer Hand. Vom Auftritt der grandiosen AnnenMayKantereit über die zeitlosen Tocotronic bis hin zu Die Nerven – hier war für jedes Alter etwas dabei, was zeigt, dass dieses Festival eben nicht nur die Grenzen zwischen den verschiedenen musikalischen Genres verschwinden lässt, sondern auch Generationen von Musikliebhabern vereint.

Dass die Zahl der Zuhörer, die den wilden Garagenrock von The Districts (die geschickt Strokes-Bretter bohrten) verfolgten, gerade einmal gereicht hätte, um einen Club zu füllen war schade, vielleicht gönnten sich viele vor dem tanzintensiven Auftritt von Django Django einfach eine Sitzpause. Während auf der Gemini-Stage Rapperin Mama Tina Turner Tanzschritte übte,  Cakes da Killa seine ego-erotische Sprechakrobatik ablieferte und Young Fathers einen wortgewaltige, energiegeladene Performance zelebrierten, wartete man nebenan auf Giorgio Moroder.

Während die Running-Order sonst auf den Punkt eingehalten wurde, betrat der Grandseigneur des DJ und Produzenten-Gewerbes seine Kanzel mit 4-minütiger Verspätung und los ging die Reise durch Jahrzehnte der Musikgeschichte. Bei diesem Set wurde vor allem den älteren Semestern bewußt, bei wie vielen Songs der Meister seine Hände im Spiel hatte, sei es die Top Gun Schnulze „Take My Breath Away“ oder, besonders rührig, Limahl`s „Neverending Story“. Respekt vor dem Auftritt der 75-jährigen Legende an dessen Ende mit „Call Me“ von Blondie eines seiner erklärten Lieblingslieder lief und alle ihn Giorgio nennen durften: We feel love!

Kurzer Umbau, kein Fotograf darf in den Graben: Divenhaft kündigte sich das an, worauf so viele gewartet hatten, der Auftritt von Kylie Minogue. „Better The Devil You Know“ setzt ein, der attraktive Hofstaat der Pop-Queen kommt auf die Bühne – nur Kylie nicht. Die singt Backstage und lässt die Zuschauer bis zur Strophe drei zappeln. Dann ist sie da, Krönchen auf dem Kopf, royaler roter Anzug mit Leoparden-Print und ab geht die australische Hit-Maschine. Der Auftritt ist natürlich eine durchchoreographierte Angelegenheit, schöne Menschen tragen auf der Bühne seltsame Dinge durchs Bild, die Kleidung wird luftiger, nicht nur das männliche Publikum rast. Dazu eine endlose Liste voller Gassenhauer, ob „Spinning Around“ oder „Can`t Get You Out Of My Head“- Königin Kylie regiert souverän über eine Stunde das Melt!.

Nachdem es das Wetter im Verlauf des Sonntags nicht wirklich gut meinte (Melt!-Motto: „Rain is like confetti from the sky“), schlich gegen Abend langsam die Abschiedsstimmung über den Platz, selbst die hartgesottensten Feierbiester wirkten ein wenig angeschlagen. Mit mehr Ringen als Augen half auch die konzentrierteste Taurin-Brühe nix mehr, manche Tanzbewegung glich einem beat-getriggerten Pawlow`schen Reflex. Das Programm befahl aber durchhalten, Element Of Crime holperten nostalgisch durch das Intro-Zelt, auf der Hauptbühne rockte Jamie T. wie bereits bei seinem 2010er Auftritt an dieser Stelle und sorgte auf der Wochenend-Zielgeraden für den ersten richtigen Moshpit.

Die Briten Ride hatten vor ihrem Auftritt nicht viele auf dem Zettel, die Shoegaze-Altmeister bretterten dann gleich zum Einstieg acht Minuten lang ihre erfolgreichste Single „Leave Them All Behind“ aus den Boxen und gewannen damit ordentlich Fans dazu. Die neuen Indie-Heroen alt-J setzten einen letzten großen Glanzpunkt, wer wollte, konnte noch auf einen Absacker zu Alle Farben, dann stand wie die beiden Nächte zuvor die letzte Herausforderung an: den richtigen Shuttle-Bus finden.

Danke Melt! für drei weitere denkwürdige Tage im Leben aller Festival-Enthusiasten.

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