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Laibach – Live im Haus Auensee, Leipzig

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„Ein Mensch, ein Ziel, ein starker Wille“ – mit Totalitarismus kennen sich Laibach aus. Bestens bewandert im Umgang mit Diktatur, Symbolik und Provokation eroberten sie die Gunst eines anderen Big-Players auf diesem Gebiet und spielten in Nordkorea. Damit haben sie es nicht nur bis in die Tagesschau geschafft, sondern sich und ihre Kunst wieder geschickt in den Mittelpunkt kontroverser Diskussionen platziert.

Mit „The Sound Of Music“ machte das slowenische Klangkollektiv mit Asien-Programm gestern im Leipziger Haus Auensee Station. In der Stadt sind Laibach gern gesehene Gäste, spielten hier schon im Rahmen des Bachfestes und beim Wave-Gotik-Treffen. Entsprechend heterogen war das Alter und die Interessen der Besucher, trotzdem blieb der Saal nur mäßig gefüllt als halb neun das Licht ausging.

Beginnend mit einer auf der Edvard Grieg Oper „Olav Trygvason“ basierenden Klangcollage mündet Teil eins des Programms im Frühwerk „Smrt Za Smrt“ („Death For Death“, zu finden auf der Compilation „Rekapitulacija 1980-84„). Der Sound bombastisch, mystische Klangteppiche, die Bass-Schläge finden die Magengrube, formvollendet werden alle Bestandteile Laibachschen Musik-Schaffens verwebt. Ein Kirchenchor preist rauschhaft, beschwörend die Stimme von Milan Fras und Mina Spiler schreit in einer Tonlage, für die das Patent bei Blixa Bargeld liegt.

Das hat erst einmal gesessen, nun gibt’s Stücke vom Album „WAT“. Daran, dass Milan Fras und seine Kollegen den Werdegang des europäischen Kontinents schon 2003 antizipierten, erinnert  „Now You Will Pay“ und „The Great Divide“. Auch „Eurovision“ vom letzten Album beinhaltet das, worauf aktuelle Tendenzen hindeuten: den Zerfall Europas.

Nachdem Laibach vertonte Terror- und Identitätsphobie und damit gesellschaftspolitische Verunsicherung auf die Bühne geholt haben, gibt es eine Raucher- und Pinkelpause. Außerdem Zeit für den Besuch am Merch-Stand, wo es vom KDF Sabberlatz bis zum Laibach-über-Deutschland Bomber T-Shirt alles gibt, was bei Verwandten fragende Augen hinterlassen dürfte.

Danach gibt’s das den Teil des Konzerts, den der Nordkoreanische Herrscher so sehr ins Herz schloss, dass er seine Untertanen unbedingt daran teilhaben lassen wollte. Die Thematik des Broadway-Musicals „The Sound Of Music“ erfährt hier eine moderne Politur, die seinen Erschaffern Rodgers und Hammerstein vielleicht gar nicht so unrecht gewesen wäre.

Die Kompositionen für die rührig-melodramatische Geschichte der Familie Trapp setzten der Band einen verhältnismäßig engen Rahmen, „Do Re Mi“, „Edelweiss“, der herzergreifende Titelsong oder „My Favorite Things“ bleiben im Laibach-Style nah am Original. Fras Stimme grummelt dazu über Schnitzel, Nudeln und Apfelstrudel, während im Hintergrund Leni Riefenstahl im Cartoom-Network Format läuft und es Alpenblumenblüten, Suppenkonserven und gut marmoriertes Fleisch vom Himmel schneit.

Die folgende „Spectre“ Stücke unterstreichen, dass das, was auf Platte in optimierter Lautstärke beeindruckt, blass gegen die entsprechende Live-Version ist. Mit „Bossanova“, „The Whistleblower“, „No Historie“  und „Resistance Is Futile“ nimmt das Quintett am Ende noch einmal richtig Fahrt auf.

Abgang und Zugabe: „B Mashina“ wummert aus den Boxen, dazu gibt’s Filmschnipsel aus Iron Sky für dessen Soundtrack Laibach zuständig waren. Ein Ass ziehen sie noch aus dem Ärmel. Zum Gassenhauer „Life Is Life/Leben heißt Leben“ hebt der Herren-Hirsch sein Geweih, das Axt-Hakenkreuz des Albumcovers rotiert – die pure Kraft von Heimat-, Blut- und Boden-Phantasien in Bilder und Töne gepackt, bildet das furiose Finale.

Das Publikum klatscht die Band noch einmal auf die Bühne, die spielt das Gavin Friday & The Man Seezer Cover „Each Man Kills The Things He Loves“ und verabschiedet sich endgültig. Wer stehen bleibt, sieht noch den Teaser zum Film über den Aufenthalt des Ensembles in Nordkorea.

Eine Konzertbesucherin in Pjöngjang wird mit: „Es gibt viele Arten von Musik auf dieser Welt. Nun wissen wir, dass es auch diese Art von Musik gibt.“ zitiert. Eine nette Beschreibung für Kulturschock. Laibach wissen immer zu beeindrucken. Auch diesmal wieder in Leipzig.

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