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Bear’s Den (Credit Caroline)

Wir hatten nie das Gefühl, überrollt zu werden – Bear’s Den im Interview

Bear’s Den legten bereits im Gründungsjahr 2012 ein enormes Tempo vor. Schon nach 12 Monaten standen die drei Briten Andrew Davie, Joey Haynes und Kevin Jones auf der Bühne der ausverkauften Londoner O2-World. Drei EPs, ein Album und zahlreiche Weltweit-Shows später steht die mittlerweile zum Duo geschrumpfte Band nun vor ihrer bis dato größten Herausforderung. Mit den in den Rockfield Studios in Wales aufgenommenen Songs des neuen Albums „Red Earth & Pouring Rain“ wollen Bear’s Den beweisen, dass der Erfolg der vergangenen drei Jahre kein Zufall war. Wir trafen uns in Berlin mit Sänger und Gitarrist Andrew Davie und sprachen über musikalische Neuanstriche, das Verteilen von Verantwortungen und das bis dato ultimative Band-Highlight.

MusikBlog: Hi Andrew, dieser Tage erscheint euer neues Album „Red Earth & Pouring Rain“. Der Titel klingt ja schon einmal sehr geheimnisvoll. Wie viel Mystik steckt in der Musik?

Andrew Davie: Das kommt natürlich auf die individuelle Wahrnehmung an. Ich kenne Leute, die viel Mystisches herausgehört haben wollen. Ich kenne aber auch Menschen, die die Songs als sehr transparent und offen beschrieben haben. Ich finde es toll, wenn die Wahrnehmung in verschiedene Richtungen geht. Das zeigt mir, dass wir alles richtig gemacht haben.

MusikBlog: Euer erstes Album drehte sich vornehmlich um das Thema Isolation. Mit welchen Dingen beschäftigt ihr euch anno 2016?

Andrew Davie: Das Spektrum wurde definitiv erweitert. Wir haben in den vergangenen drei Jahren unheimlich viel zusammen erlebt. Es war manchmal wie ein Rausch. Das alles irgendwie musikalisch einzufangen, war die mitunter größte Herausforderung. Es geht diesmal um Verlust, Reue, Liebe und all die großen Emotionen, die sich ausbreiten, wenn man solange unterwegs ist. Das Ganze haben wir in einen schwereren, impulsiveren und volleren Bandsound gepackt, ohne dabei die Basis aus den Augen zu verlieren. Ich denke, dass wir unseren Wurzeln einfach nur einen Neuanstrich verpasst haben. Das trifft es, glaube ich, ganz gut.

MusikBlog: Ihr seid mittlerweile nur noch als Duo unterwegs. Warum ist Joey Haynes nicht mehr Teil des großen Ganzen?

Andrew Davie: Es gab keinen Streit zwischen uns. Manchmal ist es einfach so im Leben. Man findet sich, verbringt eine tolle Zeit miteinander, und irgendwann geht man dann wieder getrennte Wege.

MusikBlog: Der eine geht, vier andere kommen…

Andrew Davie: Ja, das stimmt. (lacht) Live sind wir mittlerweile als Sextett unterwegs. Das funktioniert super. Kevin und ich bilden aber immer noch den Kern der Band. Für die Bühne ist es aber super, wenn sich die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen lässt. Das macht das Ganze viel entspannter und lockerer.

MusikBlog: Ein bisschen Entspannung tut euch beiden auch bestimmt ganz gut. Die vergangenen drei Jahre waren ja unglaublich. Vor allem im Gründungsjahr habt ihr ein Highlight nach dem anderen abgegriffen. Steckte da ein Masterplan dahinter?

Andrew Davie: Nein, gar nicht. Wir hatten einfach nur große Lust auf alles. Wir wollten viel unterwegs sein, viele Shows spielen und ein paar gute Songs schreiben. Eine Support-Show für Mumford And Sons in der ausverkauften Londoner O2-World gehörte aber nicht dazu. (lacht)

MusikBlog: Die Show hätte ja beinahe gar nicht stattfinden können. Du warst an jenem Abend ziemlich krank, richtig?

Andrew Davie: Oh ja, das war die Hölle. Aber so eine Show lässt man sich natürlich nicht entgehen. Dummerweise kann ich mich kaum noch an Einzelheiten erinnern. Das ist sehr schade.

MusikBlog: Wie ärgerlich.

Andrew Davie: Auf jeden Fall. Ich weiß noch, dass ich erst fünf Minuten vor dem Konzert mit dem Taxi vor der Halle abgeladen wurde. Dann habe ich mir noch jede Menge Medikamente eingepfiffen und bin dann irgendwie raus auf die Bühne. Viel mehr weiß ich nicht mehr. Es soll aber alles gut gegangen sein. (lacht)

MusikBlog: Das kann ich nur bestätigen. Es gibt einige Youtube-Clubs von der Show. Dort stehst du deinen Mann. Respekt.

Andrew Davie: Oh, Danke. Wäre ich umgekippt, hätte ich mir das niemals verziehen.

MusikBlog: Es war ja aber nicht nur diese Show. Ihr wart auch sonst unheimlich tüchtig und bereits nach wenigen Monaten in aller Munde.

Andrew Davie: Ja, das stimmt. Für Außenstehende mag das alles nach einem Kickstart aussehen. Für uns hingegen fühlt es sich strukturiert und ausbalanciert an. Wir waren von Beginn an klar. Wir wollten so viel wie möglich mitnehmen. Und wenn man mit dieser Einstellung ins Rennen geht, dann wundert man sich auch nicht, wenn es dann tatsächlich auch so kommt. Für uns waren die letzten drei Jahre sicherlich sehr intensiv. Aber wir sind mit der Zeit gewachsen. Jede Show, jedes Interview, jeder neue Song: Alles hat sich stets gut angefühlt. Wir hatten nie das Gefühl, überrollt zu werden. Das passte schon alles.

MusikBlog: Bisheriger Höhepunkt? Die Show in der O2 World? Oder der Gig letztes Jahr im ausverkauften Shepherd’s Bush?

Andrew Davie: Die Show im Shepherd’s Bush war schon das Nonplusultra. Ich meine, in der O2 World zu spielen ist schon der Hammer. Aber dieses Konzert war für uns etwas ganz besonderes. Ich weiß nicht, wie oft wir immer an der Bushaltestelle vor der Halle standen und uns die Plakate angesehen haben. Dort wollten wir irgendwann auch mal hin. Das war unser großer Traum. Und im letzten Jahr war es dann soweit. Es war unsere eigene Show. Und die Halle war ausverkauft. Das war ein Moment für die Ewigkeit. Ganz großes Kino.

MusikBlog: Ich bin gespannt, wie und in welchem Tempo es mit euch weitergeht.

Andrew Davie: Ich auch. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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