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White Lies (Credit Steve Gullick)

Schampus schlürfen mit Bryan Ferry – White Lies im Interview

Mit ihrem vierten Studioalbum „Friends“ wollen die britischen Synth-Rocker von White Lies in puncto Erfolg genau da weitermachen, wo sie im August des Jahres 2013 mit der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Big TV“ aufgehört haben. Eine Top-5-Platzierung in den UK-Charts sollte da schon drin sein. Erfolg ist aber nicht alles im Leben. Das weiß auch Charles Cave, seines Zeichens Bassist der Band. Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt sind im Leben eines Musikers mindestens genauso wichtig wie nicht enden wollender Applaus und ein dickes Bank-Konto.

Spätestens mit ihrem neuen Album brechen die White Lies eine Lanze für all die vermeintlich im Schatten stehenden Bedürfnisse eines jeden einzelnen. Wir trafen Charles Cave in Berlin zum Gespräch und plauderten über die Kraft der Verbundenheit, musikalische Experimente und Bryan Ferry.

MusikBlog: Charles, wie wichtig ist dir Freundschaft?

Charles Cave: (lacht) Freundschaft ist die Essenz einer jeden erfolgreichen Zusammenarbeit. So sollte es zumindest sein. Sicher, es gibt auch erfolgreiche Symbiosen, die auf anderen Grundpfeilern stehen. Aber für mich persönlich spielt Freundschaft eine extrem wichtige Rolle in meinem Leben als Musiker.

MusikBlog: Warum ist dir Freundschaft so wichtig?

Charles Cave: Nun, ich denke, dass Musik an sich eine tolle Sache ist. Mit anderen gemeinsam zu musizieren, macht einfach Spaß. Es ist nichts, zu was man sich zwingen müsste. Wenn man gerne Musik macht, dann steht die Freude über das große Ganze stets im Vordergrund. Und das mit jemandem zu teilen, mit dem man nicht auf einer Wellenlänge ist, klingt für mich irgendwie bizarr und absurd. Vielleicht sollte man dieses Fundament wieder etwas mehr in den Vordergrund rücken.

MusikBlog: Also ist euer neues Album eine Art Ratgeber-Werk?

Charles Cave: (lacht) So weit würde ich jetzt nicht gehen. Jeder soll arbeiten, wie er will. Wenn man damit klarkommt, dass man mit jemandem musiziert, den man eigentlich lieber auf den Mond schießen würde, dann ist das auch in Ordnung. Das muss halt jeder für sich selbst entscheiden. Wir wollen niemandem etwas aufzwingen. Für uns ist es nur so, dass wir ohne eine intakte Freundschaft nicht als Band bestehen könnten.

MusikBlog: In jeder guten Freundschaft rappelt es aber auch mal im Karton.

Charles Cave: Natürlich. Und das ist auch gut so. Ich glaube sogar, dass es in einer guten Freundschaft öfter knallt als in einer nicht so intakten. Warum sollte man sich auch mit jemandem streiten, der einem nicht wichtig ist? Das wäre ja verschwendete Energie.

MusikBlog: Wie oft hat es bei euch denn während der Produktionsphase des neuen Albums „Friends“ geknallt?

Charles Cave: Oh, eher selten. Wir waren musikalisch schnell klar.

MusikBlog: Die Basis ist zwar immer noch präsent. Aber ihr experimentiert diesmal auch viel mit neuen Sounds. Wie kommt’s?

Charles Cave: Nun, für uns kommt das Album einem kleinen Neustart gleich. Wir haben diesmal erstmals nur mit privatem Budget gearbeitet. Wir hatten also keinerlei Termindruck und keinen Stress mit Leuten, die uns nur reinreden wollen. Das war eine sehr befreiende Erfahrung. Außerdem haben wir das komplette Album selbst produziert. Da entwickelt sich einfach ein anderer Flow. Man ist zugänglicher für Neues.

MusikBlog: Ihr habt im Privat-Studio von Bryan Ferry aufgenommen. Geht’s noch besser?

Charles Cave: Nein, eigentlich nicht. (lacht) Das Umfeld war schon der Hammer.

MusikBlog: Wie kam es dazu?

Charles Cave: Wir hatten einfach Glück, dass unser Manager einen von Bryans Söhnen kennt. Der erzählte unserem Manager irgendwann, dass Bryan ein großer Fan der Band sei. So kam das Ganze schließlich ins Rollen.

MusikBlog: „Nur“ ein Fan der Band? Da muss mehr dahinterstecken. Vor euch durfte nur Prince in Bryans Privat-Studio aufnehmen.

Charles Cave: Ja, das stimmt. Keine Ahnung. Er mag uns einfach. (lacht) Für uns war das natürlich eine riesengroße Sache. Ich meine, wir reden hier ja nicht von irgendeinem Studio. Wenn man da reinkommt, atmet man pure Musikgeschichte ein. Da steht noch Equipment drin, das fürs erste Roxy Music-Album verwendet wurde. Es ist ein Ort für leidenschaftliche Musiker. Normalerweise schnalzen Ton-Ingenieure und Produzenten mit der Zunge, wenn sie ein Studio betreten. In Bryans Studio hingegen fühlt man sich als Musiker wie im siebten Himmel. Das war schon ziemlich beeindruckend.

MusikBlog: Kam der gute Bryan denn auch mal persönlich vorbei?

Charles Cave: Ja, in der Tat. Er kam sogar öfters vorbei. Gut möglich, dass er sichergehen wollte, dass wir auch alles heile lassen. Wie gesagt: Vor uns war es nur Prince vergönnt, in diesem Studio aufzunehmen. Bei seinem letzten Besuch hatte er dann eine Champagner-Flasche unterm Arm. Er war sichtlich froh, dass noch alles funktionierte. Das Album gefiel ihm natürlich auch.

MusikBlog: Schampus schlürfen mit Bryan Ferry während das eigene neue Album im Hintergrund läuft: Der ultimative Karriere-Moment bisher?

Charles Cave: Definitiv ganz nah dran! (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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