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Wenn sich Neonlichter im nassen Boden spiegeln – Claire im Interview

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Bis auf die EP „Raseiniai“ wurde es seit dem Debütalbum „The Great Escape“ etwas ruhiger um Claire. Die Münchner Band spielte zwar auf diversen Festivals und tourte unter anderem in New York, London und Litauen, Singleveröffentlichungen oder ein Album blieben allerdings aus. Das soll sich 2017 ändern. Mittlerweile sind bereits zwei Tracks aus dem neuen Album „Tides“ erschienen, das Album folgt am Freitag.

Wir haben uns mit Sängerin Josie-Claire Bürkle und Gitarrist Florian Kiermaier zusammengesetzt und sprachen darüber, weshalb es Vorurteile gegenüber der Band gibt, welche persönlichen Erfahrungen auf dem neuen Album verarbeitet werden und wie man die große Liebe im Internet findet.

MusikBlog: Claire! Haben die Namen der Jungs nicht so überzeugt oder wieso wurde Josies zweiter Vorname zum Bandnamen gekürt?

Florian: Also Augustin wäre eine komische Band! (lacht)

Josie-Claire : Außerdem gibt es die schon!

MusikBlog: Stimmt. Und bis letztes Jahr die Augustines.

Florian: Unser Bandname kommt aus einer Zeit, da waren wir noch gar keine Band. Wir haben Songs gemacht, wollten sie irgendwie hochladen und hatten keine bessere Alternative. Natürlich hat es manchmal den Effekt, dass viele Leute unsere Konstellation missverstehen. Aber letztendlich sind wir jetzt einfach schon seit fünf Jahren Claire und das ist für uns total natürlich geworden.

MusikBlog: Das Anfangsstadium habt ihr immerhin schon hinter euch…wobei, hattet ihr überhaupt so etwas? Die drei Jungs waren immerhin schon vor der Gründung Produzenten.

Florian: Natürlich hatten wir den Vorteil, dass wir alles selber machen konnten, weil wir ein Studio hatten. Es war einfacher, weil wir kein Geld brauchten, um Musik zu machen.

Josie-Claire: Wir hatten zwar eine geile Grundlage, aber in dem Empfinden und dem Erleben, als Band zusammen Songs zu schreiben, hatten wir keinen anderen Start als andere Bands auch! Für uns war das auch alles neu, wir mussten genauso viel lernen wie andere. Wir hatten einfach nur das Glück, dass wir die Möglichkeiten hatten, von denen die meisten Bands nur träumen können.

Florian: Das Gefühl, dass die Leute es nicht wertschätzen, wie wir alles wirklich aus eigener Kraft machen, war für uns anfangs richtig unangenehm. Die meisten haben in uns nur Josie von „The Voice“ und die abgebrühten Musikproduzenten gesehen. Das wollten wir unbedingt loswerden, weil wir fanden, dass es uns einfach nicht gerecht wird!

Josie-Claire: Es nervt tatsächlich ein bisschen, weil die Leute es manchmal immer noch falsch auffassen. Von wegen, die Jungs hätten mich bei „The Voice“ gesehen und wären dann auf mich zugegangen. Ich habe es ihnen am Anfang nicht mal erzählt! Sie wussten nicht, dass ich da mitgemacht habe, weil es mir auch ein wenig unangenehm war.

MusikBlog: Unangenehm?

Josie-Claire: Ich bin da ja rausgeflogen und eigentlich richtig auf die Fresse gefallen. Klar habe ich dadurch gelernt, auch mal Niederlagen einzustecken, aber bis auf persönliche Freunde habe ich musikalisch eher weniger mitgenommen.

MusikBlog: Aber wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Josie-Claire: Das stimmt! Ich könnte nicht glücklicher sein, dass es letztendlich so gelaufen ist. Jetzt im Nachhinein hätte ich es mir nicht vorstellen können, Musik in einer anderen Konstellation zu machen als in dieser Band.

MusikBlog: Diese Band…eine fünfköpfige Gruppe, die Elektro-Pop macht, ihre Musik aber als Neon-Pop bezeichnet und auf Englisch statt Deutsch singt…das alles dann auch noch in München?

Florian: Es gibt, glaube ich, schon viele Bands in München, die diese Musikrichtung spielen. Aber im Grunde ist es gar nicht so wichtig, wo man Musik macht, sondern, mit wem man es macht. Das einzige ist nur, dass München zu teuer ist, deswegen ist unser Studio auf dem Land. Aber ansonsten ist es eher Typ-Sache, ob man eine laute Stadt braucht oder ein bisschen Ruhe, um inspiriert zu werden.

Josie-Claire: Man muss sich eigentlich auch ein bisschen von den Vorurteilen lösen, die die Stadt hat. München ist nicht so wie viele sie im Kopf haben. Ich finde, die Stadt hat viele Facetten, die man durch einen kurzen Besuch nicht mitbekommt. Alle, die in München leben und sich kreativ betätigen, wissen, dass es eine sehr pulsierende Stadt ist und dass das Aufgeräumte genau das ist, was einem kreativen Wirrkopf manchmal ganz gut tut!

Florian: Englisch, weil es schwierig ist, auf Deutsch zu schreiben und nicht gleich kitschig und zu direkt zu werden. Hut ab an alle, die es schaffen!

Josie-Claire: Genau. Meine Mom ist Neuseeländerin, weshalb ich zweisprachig aufgewachsen bin. Ich fühle mich wohler, auf Englisch zu singen, weil es für mich einfach die schönere Sprache ist. Wir waren uns da auch von Anfang an einig, weil wir sehr viel mit Metaphern arbeiten, wenn wir Texte schreiben.

MusikBlog: Ist das Neon-Pop?

Josie-Claire: Ja. Am Anfang war es schwer für uns, Leuten zu vermitteln, was für Musik wir eigentlich machen, weil es so viele Einflüsse gibt: Von Hip-Hop über Pop, Elektro, bis hin zu alter 80er Jahre Mukke. Da wir aber immer bildliche und visuelle Metaphern in unseren Texten hatten, ist dieses Neon-Pop entstanden. Es soll das Lichtbild beschreiben, welches man nachts beim Schlendern durch die Straßen sieht. Diese Atmosphäre, die herrscht, wenn sich Neonlichter im nassen Boden spiegeln. Das ist die Stimmung im bildlichen Sinne, die wir mit unserer Musik vermitteln wollen.

MusikBlog: Das hört sich so an, als hättet ihr euch gefunden und wüsstet genau, was typisch Claire ist…

Florian: Das kann man so pauschal nicht sagen, weil es immer von der Zeit abhängt, wo man gerade ist. 2013 war das Debütalbum „The Great Escape“ genau Claire, 2015 beschrieb unsere EP, wo wir damals standen und jetzt ist dieses Album genau das, was wir jetzt sind.

MusikBlog: Muss man sich bei Songs wie „End Up Here“ oder „Two Steps Back“ dann Sorgen machen, wenn das euer aktueller Stand ist?

Florian: Also Sorgen machen muss man sich nicht! (lacht) Es ist aber ein sehr persönliches Album, weil es Situationen behandelt, mit denen wir uns auseinandergesetzt haben oder immer noch auseinandersetzen müssen. Jeder hat mal kleinere oder größere Dramen…

Josie-Claire: …vor allem, wenn man 24/7 aufeinander sitzt, dann geht man sich manchmal einfach auf die Nerven! Das macht es aber aus, in einer Band zu sein, sich einfach mal echt krass anzukeifen und zwei Tage später im Studio wieder sagen zu können: „Ey, das war total dumm, keine Ahnung, tut mir leid!“ Solche Sachen passieren und sind auch ganz normal. Zwischenmenschliche Beziehungen haben eben Höhen und Tiefen und das greift dieses Album allgemein auf. Es ist nicht immer alles liebevoll und schön. Manchmal gibt es auch Momente, an denen man verzweifelt und alles scheiße scheint.

MusikBlog: Gutes Stichwort: zwischenmenschliche Beziehungen! Macht das Internet es heutzutage schwieriger, die große Liebe zu finden?

Florian: Ganz gefährliches Thema – da könnten wir jetzt drei Stunden reden! (lacht) Ich glaube, Musik ist hier sehr schön, weil es ein unabhängiges Medium ist. Letztendlich geht es darum, sich die Zeit zu nehmen und die Energie aufzubringen, sich dem Ganzen wirklich auszusetzen und sich damit zu beschäftigen, auch wenn es wehtut. Vielleicht haben Leute schon Menschen kennengelernt, die die große Liebe sein könnten, hatten aber Schwierigkeiten, das zu erkennen, weil alles heutzutage viel zu schnell geht. Ich weiß aber, dass es geht! Nicht nur in Liebesbeziehungen, sondern auch bei der Freundschaft muss man sich die Zeit nehmen, zu genießen.

Josie-Claire: Das finde ich auch!

Florian Kiermaier: Und zwar nicht im fucking Internet! (lacht)

Josie-Claire: Nee! Im Internet wird immer die perfekte Welt sterilisiert dargestellt. Und genau das muss man sich komplett vor Augen führen. Es ist alles nur ein Scheinbild, was man versucht, selbst zu kreieren. Aber es ist nicht alles perfekt. Wenn man sich das immer wieder in den Kopf ruft, dann glaube ich auch, dass es sehr gut möglich ist, die große Liebe zu finden.

MusikBlog: War Dave McCracken die große Liebe? Ihr habt immerhin zum ersten Mal an einen externen Produzenten abgegeben…

Florian: Also die Verantwortung haben wir zu keinem einzigen Zeitpunkt abgegeben, das können wir einfach nicht! Aber wir haben uns geöffnet, neue Sachen auf uns zukommen lassen und es wertgeschätzt, anstatt abzulehnen. So waren wir zum Beispiel beim letzten Album, weil wir einfach Angst hatten, dass uns etwas hingelegt wird, was wir nicht sind, womit wir uns nicht identifizieren können. Unsere Einstellung dazu hat sich um 180° gedreht. Wir haben gemerkt, was für eine große Chance es ist, dass wir bei einem großen Label sind und die Möglichkeit haben, mit richtig geilen Leuten zusammenzuarbeiten.

Josie-Claire: Besonders mit Leuten, die einen nicht verfälschen, sondern eher versuchen, Eigenschaften, die man hat, rauszuholen.

Florian: Bei uns war das diesmal Dave, der fünf Songs mitproduziert hat. Das war ein richtig geiles Erlebnis zu sehen, wie er arbeitet. Er hat sich so gut eingegliedert, was einiges in uns verändert hat. Wir haben gemerkt, was für ein krasser Gewinn das sein kann, mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten.

MusikBlog: Vor knapp zwei Jahren hieß es noch „Unser Ziel ist es, einmal Mainstage zu spielen.“ Ich denke es wird Zeit für ein neues Ziel…

Josie-Claire: Tatsächlich hey! (lacht) Was wir die letzten Jahre erleben durften, ist unglaublich! Wenn du jetzt sagst, wo wollen wir hin, dann ist das größte Ziel, wirklich weiterhin Musik machen zu können und weiter live zu spielen. Wir fiebern gerade so krass auf das Albumrelease hin, weil wir glauben, dass es eine Platte ist, die man komplett gehört haben muss, um zu verstehen. Wir haben auch seit drei Jahren keine wirkliche Headliner-Tour mehr gespielt und jetzt wieder die Chance zu haben, ist toll. Wir möchten einfach weiterhin die Möglichkeit haben, das zu machen, was uns Spaß macht. Das ist, glaube ich, das Ziel. Der Weg ist das Ziel!

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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