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Wolf Alice (Credit Laura Allard Fleischl)

Alles andere wäre nicht authentisch – Wolf Alice im Interview

Mit einer giftigen Mixtur, die Erinnerungen an Bands und Künstler wie Garbage, Hole und Cat Power weckte, sorgten Wolf Alice vor zwei Jahren für viel Aufsehen in der britischen Indie-Szene. Das Debütalbum der Band um Frontfrau Ellie Rowsell („My Love Is Cool„) kletterte mal ebenso auf Platz zwei der UK-Longplayer-Charts. Es folgte ein Heimat-Hype, der die Band auch im Ausland schnell ins Gespräch brachte. Zwei Jahre später legen Ellie und ihre drei Mitstreiter Joel Amey (Schlagzeug), Joff Oddie (Gitarre) und Theo Ellis (Bass) mit ihrem zweiten Album „Visions Of A Life“ nach. Kurz vor der Veröffentlichung des Debüt-Nachfolgers trafen wir uns mit der Sängerin zum Interview und sprachen über Erwartungsdruck, musikalische Schubladen und die Magie des Songwritings.

MusikBlog: Ellie, vor zwei Jahren wurdet ihr von der britischen Musikpresse auf Händen getragen. Was ist von dem Hype noch übrig?

Ellie Rowsell: Keine Ahnung. Ehrlich gesagt interessiert mich das Geschehen außerhalb der Band auch nur sekundär. Mir ist unsere Musik wichtig. Und natürlich auch unsere Fans. Alles andere kommt und geht.

MusikBlog: Du hast also keinerlei Druck gespürt, als es darum ging, den Nachfolger eures erfolgreichen Debütalbums in Form zu gießen?

Ellie Rowsell: Doch, schon. Aber den Druck haben wir uns selber gemacht. Von außen haben wir uns nicht beeinflussen lassen. Wir haben eine gewisse Erwartungshaltung, wenn es um neue Songs geht. Ich denke, das ist ganz normal. Jede Band versucht, das Beste aus sich rauszuholen. Wir unterscheiden uns da nicht von anderen.

MusikBlog: Euer neues Album trägt den Titel „Visions Of A Life“. Auf dem Cover sieht man das Bild einer posierenden Ballerina. Was hat es mit dem Foto auf sich?

Ellie Rowsell: Das ist eine Aufnahme aus meinem Privatarchiv. Die Frau auf dem Foto ist meine Tante Helen. Ich fand einfach, dass das Bild wunderbar zum Albumtitel passte.

MusikBlog: Wer euch bisher noch nicht kennt, der wird in Bezug auf das Artwork und der Musik, die letztlich dahinter steckt, große Augen machen.

Ellie Rowsell: Gut möglich. Aber ich denke, dass wir auf dem Album auch einige Songs verewigt haben, die ganz gut zum Albumcover passen. Wir haben schon auf unserem Debütalbum verschiedene Sounds in einen Topf geworfen. Das haben wir auch diesmal beibehalten. Wir wollen uns nicht einengen, wenn es um Genres geht.

MusikBlog: Der wilden ersten Single „Yuk Foo“ stehen geschmeidige Pop-Nummern wie „Beautifully Unconventional“ und „Don’t Delete The Kisses“ gegenüber. Die Soundspanne ist schon ziemlich groß.

Ellie Rowsell: Auf jeden Fall. Aber genauso wollten wir es auch haben. Wir hören alle so viel unterschiedliche Musik. Rock, Pop, Shoegaze, Punk, Grunge: Die Einflüsse kommen aus den verschiedensten Richtungen. Ich glaube, dass es aufgrund unserer musikalischen Vorlieben ganz normal ist, dass wir so klingen wie wir klingen. Alles andere wäre nicht authentisch.

MusikBlog: Von einer noch offenen, musikalischen Findungsphase kann demnach nicht die Rede sein, richtig?

Ellie Rowsell: Nein, gar nicht. Wir wollen so klingen. Unser Sound ist nicht das Ergebnis von Orientierungslosigkeit. Wir tanzen ganz bewusst auf mehreren Hochzeiten. Das macht uns als Band aus.

MusikBlog: Das klingt nach einem spannenden Songwritingprozess.

Ellie Rowsell: Ja, das Schreiben von neuen Songs ist für mich immer das Spannendste. Man hat so viele Ideen, die in die verschiedensten Schuhe schlüpfen könnten, wenn du weißt was ich meine. Wenn man sich musikalisch nicht festlegt, ist der Songwritingprozess wie eine große, bunte Wundertüte. Alles kann passieren. Ich liebe diese Phase.

MusikBlog: Das ist interessant, denn ich dachte eigentlich immer, dass bei Musikern der Moment, wenn es mit neuem Material endlich auf die Bühne geht den höchsten Stellenwert genießt.

Ellie Rowsell: Das ist natürlich auch immer wieder ein tolles und spannendes Gefühl. Aber für mich ist die Entstehung eines Songs, von der Themenfindung bis zum Einspielen des letzten Akkords, das Größte überhaupt. Man kreiert etwas aus dem Nichts heraus. Das ist für mich immer noch total faszinierend.

MusikBlog: Die Phase ist ja nun leider wieder vorbei. Demnächst geht es wieder auf Tour. Auch schön, oder?

Ellie Rowsell: Ja, natürlich. Live zu spielen ist großartig. Wenn der erste Song sitzt und die Nervosität abfällt: Das hat schon was, keine Frage. Aber ich freue mich auch schon wieder auf das Schreiben neuer Songs. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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