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Courtney Barnett – Live im Astra, Berlin

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Draußen scheint die Sonne, drinnen wird geschwitzt. Die Australierin Courtney Barnett steht an diesem Montagabend auf der Bühne des Astra Kulturhauses in Berlin, um ihr aktuelles Album „Tell Me How You Really Feel“ zu präsentieren.

Schon vor dem Club präsentieren sich skurrile Bilder. Vereinzelt tauchen Menschen mit Holzfällerhemden an der Bar und in der Halle auf, die – anscheinend immun gegen jedwede Transpiration – dem Sommer trotzen und sich für die raue Musik Barnetts angemessen kleiden möchten.

Eröffnen dürfen den Abend Loose Tooth. Während ein großer Teil der Gäste noch im Biergarten der Location sitzt und sich von der Vorgruppe nicht aufscheuchen lässt, gehen die, die es schon vor die Bühne geschafft haben, richtig mit.

Shoegaziger Garage-Rock, der für Unbeflissene zwar den Eindruck macht, aus einem einzigen, sehr langen Song zu bestehen, die Blicke der Eingeweihten dafür mit hypnotischen Klangwänden an die Bühne bindet. Loose Tooth machen Musik, die einem späteren Abend etwas besser stehen würden, profitieren also davon, dass in das Astra ohnehin kaum Licht fällt. Gegen Ende des Sets wird noch ein Stagedive (erfolgreich) angegangen.

Zum Glück führt der Rausschmeißer-Rock von Loose Tooth nicht dazu, dass nach der Vorband jeder verkatert den Club verlässt. Schnell füllen sich auch die, bis dahin leeren, Seiten vor der Bühne. Kurze und spontane Ausbrüche des Beifalls begleiten jeden Lichtwechsel und auch derjenige, der die Gitarren an ihren Ort bringt, bekommt an diesem Abend wenigstens ein paar Sekunden Aufmerksamkeit.

Um kurz nach neun wird dann endlich für Courtney Barnett selbst geklatscht, die in der Mitte der Bühne und mit einer Gitarre um den Hals sichtlich beglückt den ersten Song anstimmt. „Hopefulessness“ startet unscheinbar und verdichtet sich gegen Ende zu einem psychedelischen Gitarrendröhnen, das Barnett aus ihrer konstanten Position vor dem Mikrofon befreit und erste Verrenkungen verursacht.

Die Haare werden geschleudert und das Grinsen verschwindet kaum aus ihrem Gesicht, als sie die nächsten Songs „City Is Pretty“ und „Charity“ anstimmt.

Spätestens jetzt ist wohl jeder im Publikum, der aus irgendeinem Grund immer schon genau wusste, welchen Song Barnett als nächstes anstimmen würde, beruhigt, dass es doch keine übernatürlichen Fähigkeiten sind, die das ermöglichen, sondern die Setlist.

Das gesamte Album „Tell Me How You Really Feel“ wird zu Beginn des Sets in der gleichen Reihenfolge gespielt, wie es auf dem Tonträger zu hören. Dabei ist das, was vor der Bühne passiert, ein perfektes Spiegelbild dessen, was Barnett auf der Bühne veranstaltet.

Ihr Genrewandel von grungigem Alternative-Rock zu folkigen Indie-Stücken wird begleitet von abwechselnd hüpfenden und taumelnden Besuchern, die sich in dieser Rockshow mit Erholungspausen ähnlich wohl zu fühlen scheinen, wie Barnett selbst.

Im Gesang wechseln sich deutliche Popmelodien mit Geschrei ab, der Kurt Vile sicher verschreckt aufblicken lassen würde. Der Kollaborateur, mit dem sie vor kurzem das Album „Lotta Sea Lice“ veröffentlichte, steht jedoch nicht im Publikum.

Ab der zweiten Hälfte des Sets hätte er sich nicht mehr vor Stagedivern fürchten müssen, die relativ früh am Abend weiterführen, was Loose Tooth vormachten. Nun wird nämlich – unter anderem mit „Avant Gardener“ und „Depreston“ – das Tempo in Richtung Folk gedrosselt und es werden die Feuerzeuge herausgeholt.

Wer genau hinschaut, zählt sieben Feuerzeuge und null Handylichter, als „Anonymous Club“ in der Zugabe Arme ineinander und Menschen zueinander führt. Nach dem Holzfällerhemd der zweite Beweis dafür, dass Barnett Menschen anzieht, die sich auf authentische Rockshows ohne Persönlichkeitskult einlassen möchten.

Ein ruhiges Ende? Gibt es nicht! Dafür hat Courtney Barnett selbst viel zu viel Bock, Gitarre zu schrammeln. „Pedestrian At Best“ klingt, als hätte jemand Blur die Gitarren ordentlich aufgedreht und beendet den Abend.

Schnörkellos und dreckig. Man könnte, wie bei jedem Konzert, so viel hereindeuten in das, was Zuschauer und Künstler wohl denken mögen. Dieser Montagabend war schlicht ein Abend für sehr gute Rockmusik, die von einem sehr netten Publikum sehr gut gefunden wurde.

Und was die Holzfällerhemden angeht – nach dem Konzert ist es dann doch etwas kühl.

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