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Kids See Ghosts – Kids See Ghosts

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Kanye West und Kid Cudi verbindet eine lange Geschichte. Während Cudi seinen großen Durchbruch im Jahr 2009 mit dem teilweise von West produzierten „Man On The Moon: The End Of Day“ feierte, vertraut dieser seit langem auf die Unterstützung von Scott Mescudi, wenn es darum geht, atmosphärische, düstere Tracks zu produzieren.

Auf „Ye„, dem erratischen Kurzwerk Wests, das erst vor einer Woche veröffentlicht wurde, gab „Ghost Town“ einen Vorgeschmack darauf, was „Kids See Ghosts“ sein könnte. Eine ambitionierte Platte, die von Wests innovativen Beats und Cudis existenziellem Storytelling leben würde, von persönlichen Geschichten statt populistischer Selbstportraitierung.

„Kids See Ghosts“ beginnt mit einem Feature von Pusha T, aggressiven Beats und einer konfrontativen Grundstimmung, die sich gegen Ende des Songs in der Weite verliert. Statt in einem eindeutigen Finale zu gipfeln, eröffnet „Feel The Love“ so viel mehr die Szene – als Prolog, als Einleitung.

Einleitung für eine Geschichte, die so wirkt, als hätte Cudi sie geschrieben und West sie mit konziser Produktion redigiert. Ein korrigierendes Element, das den letzten Alben Cudis fehlte, und seine atmosphärischen Gesuche nach Selbstgeißelung und seelischer Freiheit durch Beichte, im zusammengezimmerten Konzept erzwungener Konzeptalben verschwimmen ließ.

Auf diesem Album kehrt das ikonische Summen Cudis zurück, ohne unangebracht oder erzwungen zu wirken. „Fire“ und „Reborn“ thematisieren den Umgang mit traumatisierenden Erfahrungen und seelischer Belastung, den Wegen aus dem Gefängnis der eigenen Gedanken.

Glücklicherweise lässt sich sogar West auf diese Thematik ein, wirkt selbst, als hätte er Lust, über das Thema zu rappen. In „Fire“ scheint es, als hätte sich eine gigantische Anspannung, die auf „Ye“ noch hörbar war, von West gelöst, als hätte er zuvor eine Rolle gespielt, die er in diesem Duo aufgeben kann.

„Freeee (Ghost Town, Pt.2)“ schließt an „Ghost Town“ von „Ye“ an, und markiert die Erkenntnis des sich erprobenden Kindes aus dem ersten Teil. Die Erkenntnis über Freiheit als Resultat der Schmerzlosigkeit positioniert sich in der Mitte von „Kids See Ghost“ antithetisch zum restlichen Album. Wie ein notwendiger Ausbruch aus der Beschäftigung mit dem Selbst, wie die manische Phase einer bipolaren Inszenierung.

Musikalisch endet der Song mit ersten Anspielungen auf den Grunge, die angefangene Genrefusion aus „Ye“ fortführend und den zweiten, experimentelleren Teil des Albums einleitend.

Gegen Ende des Albums wartet der Titeltrack „Kids See Ghosts“, der industrielle Beats und Synths verschwimmen lässt, das Bild des Covers bestätigt und schemenhafte Geister beschwört.

„Cudi Montage“ zeigt auf, was „Speedin‘ Bullet 2 Heaven“ hätte sein können, und lässt ein Kurt Cobain-Sample aus „Montage of Heck: The Home Recordings“  in einer Soundlandschaft untergehen. Ein optimistisches Ende für ein ehrliches Album der Selbstfindung, das in nur sieben Songs eine Geschichte erzählt, die denen Mescudis früherer Alben in nichts nachsteht.

Was ist „Kids See Ghosts“ also? Es ist ein Album, das entgegen aller Erwartungen nicht von Wests eigener Agenda gezeichnet ist, „Ye“ allein deswegen in seiner Zeitlosigkeit und Universalität jetzt schon überlegen ist.

Ein Album, das sich trotz der kurzen Tracklist wie eine der Reisen hinter den Mond anfühlt, auf die Kid Cudi vor fast zehn Jahren mit seinen „Man On The Moon“-Alben entführte. Ein Album, das moderne Musik in ihrer Ablehnung von Genres so gut definiert, wie kaum ein anderes und beweist, warum der Hip-Hop zum Innovationsmotor aktueller Popmusik geworden ist.

Cudis Verständnis von der Vertonung fundamentaler Verzweiflung hat West jedenfalls für ein Album erkennen lassen, dass sich unter der Oberflächlichkeit seiner kontroversen Aussagen und Provokationen eine Geschichte verbirgt. West sah Geister. Cudi half ihm, sie zu verstehen.

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