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Ich will die Leute nicht belehren – Jain im Interview

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Jeanne Louise Galice, besser bekannt als Jain, verbrachte den Großteil ihrer Jugend im Ausland, da ihr Vater in der Ölindustrie arbeitete und deshalb oft umziehen musste. November 2015 veröffentlichte die französische Sängerin ihr Debütalbum „Zanaka“, was „Kind“ auf Madagassisch bedeutet und eine Hommage an ihre Mutter darstellt, die französisch-madagassischen Ursprungs ist.

Drei Jahre nach dem Erstlingswerk erscheint nun mit „Souldier“ dessen Nachfolger. Aufgenommen in Paris und produziert von Maxim Nucci tauchen auch auf der kommenden Platte wieder verschiedene Einflüsse auf. Weshalb Jain die unterschiedlichen Rhythmen so wichtig sind, wie die Musik ihr durch schwere Zeiten hilft und warum sie skeptisch gegenüber sozialen Medien ist, verriet uns die 26-jährige Sängerin im MusikBlog Interview.

MusikBlog: Den Großteil deiner Jugend hast du damit verbracht, neue Kulturen kennenzulernen. Wie blieb bei den ganzen Umzügen Zeit für die Musik?

Jeanne Louise: Ich war schon immer ein großer Fan der Musik. Bereits mit 4-5 Jahren habe ich angefangen, Musik zu hören, mit 6 Jahren dann, Schlagzeug zu spielen und allgemein wurde in meiner Familie und in meinem Freundeskreis viel Zeit der Musik gewidmet.

In der Zeit, von der du sprichst, hat Musik aber eine ganz andere Rolle für mich angenommen. Ich hatte eine harte Zeit, mich selbst zu finden, mich als neue Person zu entdecken. Durch das Umziehen von Land zu Land musste ich jedes Mal meine Freunde zurücklassen und neue Freunde finden. Ich musste mein Zuhause wechseln, immer und immer wieder. Obwohl es von außen betrachtet eine tolle Zeit war, war es eher schwer für mich.

MusikBlog: Und die Musik hat geholfen?

Jeanne Louise: Genau. Ich habe etwas gebraucht, was mir auf Schritt und Tritt folgte. In der Musik habe ich dann meine Konstante gefunden, einen Ort, an dem ich mich immer geborgen fühlen konnte. Ich konnte mich immer und überall zuhause fühlen, ich musste einfach nur Musik machen.

MusikBlog: Hättest du mit der Musik angefangen, wenn du nur in Südfrankreich gelebt hättest?

Jeanne Louise: Ich weiß nicht, ob ich angefangen hätte, selber Musik zu machen, wenn ich nicht so viel gereist wäre. Die vielen Reisen sind es, was meine Musik und meinen Style ausmachen. Durch meine Lieder möchte ich den Leuten meine Geschichte erzählen. Die Geschichte, wie ich in verschiedenen Ländern aufgewachsen bin und mich immer wieder neu einleben musste.

MusikBlog: Die Geschichte, wie ein französisches Mädchen in einem fremden Land Englisch sprach.

Jeanne Louise: Ja! (lacht) Aus diesem Grund singe ich auch auf Englisch. Davon abgesehen, dass ich schon immer mehr englische und amerikanische Musik als französische gehört habe, ist Englisch aber auch die Sprache des Reisens. So kommuniziert man auf der ganzen Welt. Und da meine Songs das Reisen besingen, war es selbstverständlich für mich, meine Geschichte auf Englisch zu erzählen.

MusikBlog: Und wieso die vielen verschiedenen Rhythmen?

Jeanne Louise: Ich habe eine Zeit lang in Dubai gelebt und bin danach nach Abu Dhabi für meinen Schulabschluss gegangen. In dieser Zeit wurde ich sehr von der Musik in den Ländern inspiriert. Ich habe aber das Gefühl, dass zum Beispiel afrikanische oder arabische Einflüsse wenig Beachtung in der heutigen modernen Musik finden. Aus diesem Grund baue ich sie mit ein, um auch ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

MusikBlog: Nachdem dein Debütalbum bereits deine Lebensjahre von 16 bis 22 behandelt hat, um welchen Lebensabschnitt geht es nun auf „Souldier“?

Jeanne Louise: Mein Ziel war es, dieses Album so schnell wie möglich rauszubringen. Bei meiner ersten Platte habe ich mir wirklich viel Zeit gelassen, um den Lebensabschnitt, den du bereits erwähnt hast, zu behandeln. Mit „Souldier“ wollte ich meinen aktuellen Status zeigen, mein Leben jetzt als 26-jährige Frau. Deswegen musste alles etwas schneller gehen.

MusikBlog: Gibt es neue Einflüsse?

Jeanne Louise: Ja, ich habe zum Beispiel auch mehr Hip-Hop eingebaut, weil ich das nun schon seit ein paar Jahren höre. Früher zählten zu meinen Einflüssen Künstler wie Bob Marley, aktuell höre ich viel Kendrick Lamar oder Gorillaz.

Inhaltlich geht es um soziale Themen aus dem Alltag, Dinge, die man als normaler Bürger fühlt. Ich singe eigentlich selten über Politik, da gibt es nicht so viel, was mich inspiriert. Um ehrlich zu sein, möchte ich mich auch nicht näher mit Politik befassen, ich will die Leute nicht über das Leben belehren. Vielmehr möchte ich sie stärken und einen kleinen Ort des Friedens in dieser verrückten Welt erschaffen.

MusikBlog: Eine verrückte Welt, in der am Ende aber alles „Alright“ wird.

Jeanne Louise: Das stimmt! (lacht) Ich liebe es, mich mit dem Songwriting selbst zu motivieren. Obwohl ich es mag, Shows zu spielen und Leute mit meiner Musik zu inspirieren, habe auch ich manchmal schlechte Laune und bin traurig. Immerhin ist dieses Leben auch anstrengend. In solchen Momenten hilft es mir sehr, Musik zu machen. Ich versuche, mich selbst durch das Schreiben von Songs zu heilen. Es ist wie eine Therapie.

„Alright“ habe eigentlich für eine Freundin geschrieben. Ich wollte sie damit auf eine spezielle Art aufmuntern und ihr sagen, dass sie eine starke Frau ist und keinen Mann an ihrer Seite braucht, um das machen zu können, was sie möchte.

MusikBlog: Aus diesem Grund die Frauenpower im Musikvideo?

Jeanne Louise: Genau! (lacht) Ich wollte einen Song für meine Freundin schreiben, aber auch einen Track an alle Frauen da draußen. Ich möchte alle bestärken und daran erinnern, sie selbst zu sein, unabhängig zu sein. Es ist dein Leben, sei du selbst!

MusikBlog: „Stand up or they’ll take your rights“ heißt es in „Stars“. Geht es hier um den Druck von Label und Management?

Jeanne Louise: Ja, es geht um die Musikindustrie. Es ist etwas, was wirklich seltsam ist. Wenn man Songs schreibt, dann schreibt man über sich selbst. Und dann Leute zu haben, die einem Rat zum persönlichen Leben geben, das ist so komisch. Zum Glück habe ich ein gutes Team gefunden, was mich respektiert und mich machen lässt, was ich möchte, es macht wirklich Spaß!

MusikBlog: Du besingst aber auch die sozialen Medien.

Jeanne Louise: Richtig, um ehrlich zu sein, mache ich mich ein bisschen lustig darüber. Es hat sich wirklich sehr viel verändert. Heutzutage hat Social Media eine ganz neue Stellung eingenommen. Wir alle wollen Stars sein und präsentieren uns deshalb auf Facebook, Twitter oder Instagram. Fremden Menschen deine Welt zu offenbaren ist doch seltsam.

Ich finde Instagram tatsächlich am Gefährlichsten. All diese Leute, die auf den Bildern ein vermeintlich perfektes Leben leben, das kann schon sehr deprimierend für diejenigen sein, die einen solchen Lifestyle nicht haben können. Auch wenn man vielleicht weißt, dass es nicht echt ist, man sieht die ganzen Träume und träumt selber. Instagram kann wirklich frustrierend und gefährlich sein, besonders für junge Menschen. Aus diesem Grund bin ich etwas skeptisch gegenüber der Plattform.

MusikBlog: Es kann aber auch für einen selber gefährlich sein, wenn alles zu gut läuft.

Jeanne Louise: Genau, deshalb versuche ich, mich immer selbst daran zu erinnern: „Don’t be proud if you gain, nor be sorry if you lose.“. Wenn man Musik macht und es anfängt ,gut zu laufen, dann passiert es leicht, dass man denkt, man sei etwas Besonderes. Aber das stimmt einfach nicht. Letztendlich machen wir nur Musik – wir retten nicht die Welt, wir heilen keinen Krebs oder wir erlösen keine Leute von ihrem Leid.

Es geht um die Musik und um den Spaß, der dahintersteckt. Ich bin wirklich stolz auf mein Debütalbum und freue mich auf die kommende Platte. Wenn es aber nicht so aufgenommen wird, wie ich das möchte, dann ist das auch ok, ich bin immer noch hier und mache Musik. Manchmal ist es wichtig, sich daran zu erinnern, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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