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King Tuff – Live in der Kantine am Berghain, Berlin

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Es hat ein bisschen was von einer Oase vor der Kantine am Berghain. Erst läuft man eine gefühlte Ewigkeit durch brachliegendes Industrieland oder verlassene Straßen, ehe man durch ein paar verwobene, kleine Wege in einem Biergarten landet, in dem, wie aus dem Nichts, plötzlich sogar die Burger wieder hip sind.

Ein paar Schritte weiter und man ist in der Kantine selbst. Dort, wo an diesem Abend der US-Amerikaner Kyle Thomas, der unter dem Namen King Tuff vor kurzem sein fünftes Studioalbum „The Other“ veröffentlichte, auftreten soll.

Aber bevor der eigentliche Hauptact die Bühne betreten darf, wird das Publikum von Sasami Ashworth aufgewärmt, die sich, nur mit Gitarre und Stimme gerüstet, dem Publikum stellt.

Ashworth ist Mitglied der Rockband Cherry Glazerr, denen wir in Folge ihres letzten Albums eine glorreiche Zukunft prophezeiten. Sie scheint die Herausforderung angenommen zu haben, unterstützt im November auch Snail Mail auf ihrer Tour.

Die Kantine ist für den Auftritt der Künstlerin nur halb gefüllt. Der Sound landet live irgendwo zwischen Dream-Pop und Shoegaze, mit einer gehörigen Portion Singer-Songwriter-Attitüde, die allein auf der Bühne wohl kaum zu vermeiden ist.

Mit dem Ende des Sets von Sasami Ashworth begibt sich ein großer Teil noch für einen kleinen Moment nach draußen. Mit Blick auf das Berghain, in dem wieder irgendwas geht, steigt die Spannung. Es riecht nach Gewitter. Es nieselt nur.

Draußen staut sich die Luft. Aber selbst als gegen neun Uhr die Menge wieder hineinströmt und vereinzelt sogar Zigaretten zündet, bleibt es im Klub angenehm frisch. Die Discokugel an der Decke reflektiert das rote Licht in vielen, kleinen Punkten und in Richtung der Bar, an welcher, wie immer, eine Uhr hängt, die immer die gleiche Zeit anzeigt.

Es vergeht also keine Sekunde, bis Kyle Thomas auf der Bühne steht. Sasami Ashworth übrigens auch, nur dieses Mal als Teil der Band King Tuffs am Piano.

Das Set wird eröffnet mit dem Titel-Track von „The Other“. Langsam, melancholisch und mit etwas US-amerikanischer Omnipotenz wirkt King Tuff beinahe meditativ, während er den Song ins Mikro haucht.

Auf seinem Kopf glitzert eine Mütze mit allerlei reflektierendem Schnickschnack, an seinem Hals eine leuchtende Brosche, die vorgibt, Diamant zu sein. King Tuff inszeniert sich und wählt genau den richtigen Song, um die Zuschauer*innen mit dem ersten Track vor ein Rätsel zu stellen.

Ist er der burgerbratende Schrammelrocker mit psychedelischem Einschlag, den wir von „Black Moon Spell“ kennen, oder ist da doch ein Quäntchen Besinnung und Gesellschaftskritik im Oeuvre des US-Amerikaners?

Tatsächlich ist da so was, auch wenn Thomas sich nicht unbedingt Mühe gibt, diesen Anspruch auch auf die Liveshows zu übertragen. Seine Lieder „Thru The Cracks“, „Circuits In The Sand“ und „Psycho Star“ kommen digitalisierungsskeptisch und anti-sensationalistisch daher, verlieren live jedoch an Tiefe, was an der Qualität der Anlage liegt.

Unter verzerrten Spuren von zwei Gitarren und einem Bass ist King Tuffs Stimme nur zu verstehen, wenn er sie erhebt, beinahe schreit. Langsamere Lieder wie eben „The Other“ und „Raindrop Blue“, leiden nicht darunter und markieren die wenigen Momente, in denen Thomas‘ Stimme klar vernehmbar ist – und gut klingt.

Den größten Applaus gibt es, als er „Black Moon Spell“, den Titelsong des letzten Albums, anstimmt und sich in den ersten Reihen sichtlich Gedanken gemacht wird, ob man jetzt einen Moshpit starten sollte. Macht niemand, aber an den stark wankenden Figuren und teilweise wehenden Haaren erkennt man, dass die meisten sehr zufrieden mit dem sind, was sie geboten bekommen.

Nach einfacher Zugabe verlässt King Tuff dann die Bühne, das Licht der Discokugel spiegelt sich in seiner Mütze und in den Augen des Publikums wieder, draußen regnet es immer noch nicht.

Kyle Thomas‘ Musik ist irgendwie Hintergrund, irgendwie aufwühlend. Man steht da und nimmt noch einen Schluck. Craft Beer in der Hand – ein weiteres kleines Stück der Vereinigten Staaten in Berlin.

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