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Thom Yorke – Live in der Jahrhunderthalle, Frankfurt

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„Wichtiger Hinweis: Die Lichtshow enthält Stroboskopeffekte, die epileptische Anfälle auslösen können. Betreten der Halle auf eigene Gefahr! Wir übernehmen keine Haftung!“

An den Toilettentüren der Frankfurter Jahrhunderthalle prangen diese Warnhinweise als Vorbote einer exzessiven Lichtshow. Haftungsausschluss? Klar. Einschüchterung? Eventuell. Gesteigertes Maß an Neugierde? Unbedingt.

Einen üppigen Stroboskop-Einsatz macht sich Andrea Belfi als trommelnder Supportact dann auch direkt zu Nutze, um seine Elektroskizzen, die er an einem analogen Schlagzeug zelebriert, in die nötige Aura zu kleiden. Was der Italiener bietet, hat Seltenheitswert, beschränkt sich als mögliche Darreichungsform aber tatsächlich auf die Live-Situation. Denn ohne die Show bliebe die Trance der Stücke im Verborgenen.

Ganz so anstrengend, wie die Warnungen vor Beginn vermuten ließen, wird es allerdings nie. Erst recht nicht bei der Hauptsache des Abends. Die Show von Thom Yorke stützt sich auf kunstvolle Visuals des Live-VJs und Künstlers Tarik Barri, der damit eine LED-Wand füllt, die die Blicke fängt, wie kein anderes Element auf der Bühne.

Das liegt auch daran, dass die Protagonisten Yorke und dessen Haus- und Hofproduzent, sowie ständiger Live-Begleiter Nigel Godrich das Halbdunkel bevorzugen.

Stroboskop hält sich in Grenzen. Es würde die farbintensiven Formen und Strukturen, die im Hintergrund zu den Bässen und Rhythmen flackern, ohnehin nur stören. Und einer wie Yorke vermeidet Störfaktoren um jeden Preis, sofern sie den Gesamteindruck nicht fördern.

Entsprechend stimmig und stilsicher ist sein ganzer Auftritt. Das Bühnenbild beinahe spartanisch, seine Tanzeinlagen intuitiv bedacht, mit einem Sound als glimmendes Kernstück einer unvergleichlichen Elektroshow, die durch die stets effektvoll beladenen, aber nie affektierte Stimme des Radiohead-Frontmannes so einzigartig wird.

In futuristische Sounds investieren schließlich viele. Aber nur wenige haben auch die elektrifizierenden Melodien dazu. Thom Yorke hat mit den „The Eraser“-Stücken „Black Swan“ oder „Harrowdown Hill“, mit der zarten Versuchung „Nose Grows Some“ aus „Tomorow’s Modern Boxes“ oder der Piano-Ballade „Has Ended“ aus seiner Soundtrackarbeit „Suspiria“ eigentlich schon genug für zwei Leben – mindestens aber genug für eine über zweistündige Show.

Wenn er sich den Bass umschnallt, beschränken sich die Leben längst nicht nur auf seine Stimme. In „Has Ended“, für das er alleine am Keyboard sitzt, kommt man dann einem Giganten so nahe wie selten. Als würde Yorke jedem der Besucher direkt ins Ohr flüstern.

Nur um kurz darauf mit Atoms-For-Peace-Songs wieder in den vollen Rausch elektronischer Klangexpertise zu tauchen, die jederzeit so viel mehr ist als Funktionsmusik. Es ist ein Best-Of-Both-Worlds: Klassische Kompositionsansätze zwischen modernster Technik.

Schwer zu sagen, wohin die Musik der Zukunft steuert. Bei Yorke fühlt es sich fast so an, als wäre das Ende der Zukunft zum Greifen nah, wenn er sich zusammen mit Nigel Godrich an zwei großen Digitalpults durch die Songs seines vor sieben Tagen erschienen neuen Albums „Anima“ dreht.

Zu jung scheint diese Veröffentlichung, um sie in Gänze erfassen zu können. Mehr lauschend als taumelnd wirkt bei diesen Stücken daher das Publikum mittleren Alters, das sich einer Heldenverehrung hingeben darf, die für viele bereits vor über zwanzig Jahren mit „OK Computer“ oder gar „The Bends“ begann.

Umso schöner wird sich die Rückbesinnung auf diese Show ausnehmen, wenn im Laufe der nächsten Wochen und Monate immer mehr an die Oberfläche dieses anspruchsvollen Elektromonolithen von Album wächst.

Und Yorke? Sagt nichts, verneigt sich kurz und macht weiter mit einem Konzert, das gelebte Kunst zur Zeit in einen Sockel stellt. Mit einem Esprit, den die Sven Väths, Kalkbrenners und Steve Aokis dieser Welt zusammen in 100 Jahren nicht hinbekommen. Chapeau!

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