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Thom Yorke (Credit XL Recordings)

Thom Yorke – Tomorrow’s Modern Boxes – Im Zwiespalt

Um über Thom Yorkes neues Solo-Album „Tomorrows‘ Modern Boxes“ zu sprechen, muss man erstmal David Bowie erwähnen. David Bowie zum Beispiel war musikalisch gesehen immer ein Visionär. 2013 bewies er uns, dass er weiter für Überraschungen gut ist. Sein neues Album mit dem Titel „The Next Day“ hatte er von einem Tag auf den anderen komplett online gestellt. Auf der Plattform iTunes konnten es sich die Fans in voller Länge im Stream anhören. Herunterladen und als CD kaufen konnte man das mit Spannung erwartete neue Album schon eine Woche später. Bowie hatte die Musikwelt schon damit verblüfft, dass er seine neue Single „Where Are We Now?“ Anfang Januar 2013 ohne große Vorankündigung veröffentlichte. Ein anderer Aspekt, den man seit geraumer Zeit beobachtet, ist der, dass Künstler heutzutage ihre Veröffentlichungen noch nicht mal mehr groß ankündigen. Ein kurzes Statement und die Platte ist schon online sowie kurze Zeit später im Handel, siehe U2, Jack White, The Raveonettes oder auch Beyoncé. Also war Bowie, wenn auch diesmal nicht musikalisch, sondern mit dem Phänomen Blitzveröffentlichungen ein Vorreiter.

Aber jetzt zu Thom Yorkes zweitem Solo-Album. Nichts gegen experimentelle Musik, aber diese muss auch funktionieren. Thom Yorke ist ein exzellenter Musiker, der schöne warme Melodien produzieren, aber auch plötzlich wie ein Vulkan ausbrechen kann. Beides bietet er uns jetzt mit seinem neuen Album „Tomorrows‘ Modern Boxes“ leider nicht. Wer jetzt hoffte, Thom Yorke würde uns mit „Tomorrows‘ Modern Boxes“ etwas Belebendes und Frisches auftischen, wird leider enttäuscht. Es wird bestimmt wieder genügend Leute geben, die es als Kunst ansehen werden, jeder andere sei gewarnt und sollte sich Radioheads „OK Computer“ oder „Kid A“ anhören. Denn da zeigt er sein wahres Können. Bei Yorke’s neuem Werk ist jedoch zu viel Chaos im Klang.

Auf „Tomorrows‘ Modern Boxes“ wird Trip-Hop, Hip-Hop, Electronica und Psychedelica so durch den Wolf gedreht, dass am Ende nur noch Krach raus kommt. Yorkes Stimme kommt fast nur noch als Gesäusel daher und sein Falsetto-Gesang macht diese Scheibe fast schon unerträglich. Schon beim Opener „A Brain In The Bottle“ ist sein Gesang so verzerrt, dass man ihn fast überhaupt nicht mehr wahrnimmt und auch der Rest läuft parallel mit nervtötenden Breakbeats und Electronica ins Endlose. Es ist mit Sicherheit für ihn sein Traum-Album, aber für den Hörer kann es ganz leicht zum Albtraum werden. Stücke wie „The Mother Lode“ und „Pink Section“ versinken im Chaos und sind so überladen mit den verschiedensten Elementen, dass einem der Kopf dreht.

 

Aber halt, ich höre mir die Platte jetzt zum fünften Mal an und finde doch ein paar gute Momente wie zum Beispiel „Interference“. Also ist dieses Werk doch vielleicht ein sogenannter „Grower“, also etwas, das noch wächst? Vielleicht?! Die Scheibe nervt einen beim ersten Hördurchgang, aber dann beginnt sie zu wachsen. Bin auch ich jetzt ein Gefangener des Hypes ,wo alles gutgeheißen wird, was Thom Yorke veröffentlicht?

„Tomorrows‘ Modern Boxes“ ist eine zwiespältige Angelegenheit. Ich lege das Album erstmal ein paar Wochen zur Seite und bilde mir (vielleicht) später nochmal eine neue Meinung.

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