PeterLicht – Beton Und Ibuprofen

Poetisch, philosophisch und subtil: wenn es darum geht, Gegenwart und Zeitgeist zu spiegeln, ist Meinrad Jungblut alias PeterLicht eine der ersten Adressen. Er diagnostiziert auf seiner neuen Platte “Beton Und Ibuprofen” nicht nur sich selbst, sondern der ganzen Welt eine Krankheit, deren Symptome zerbröselnde humanistische Strukturen und marodierender gesellschaftlicher Zusammenhalt zu sein scheinen.

Damit wird den „Dämonen“ Tür und Tor geöffnet, und wenn sie einmal da sind „ist jeder, der ein Mensch ist, ein Freund“, darunter all jene, die graue Wolken dabei haben, denn „keiner kommt auf die Dauer hier wieder lebend raus“. Wenn schon, dann gemeinsam schwarz werden.

„Die Technik Wird Uns Retten“ heißt es, fast sicher, dass diese es so wenig tun wird, wie die ebenfalls zu diesem Zweck bemühte Liebe, dennoch, „Verloren“ ist per se niemand, der sich dem Fokus von Politik, Kapitalinteressen und zwischenmenschlicher Intriganz nicht gänzlich entziehen kann. Es gilt, der Depression einen Schritt voraus zu sein, wenn es sein muss, auf dem E-Scooter der Sonne entgegen fahrend.

Es gab schon Alben, auf denen PeterLicht weniger gegenwärtig war, dato skizziert er mit „Die Sprache Der Augen“ einen persönlichen Ist-Zustand in der Komplexität der Post-Truth-Ära. Dazu, sich in den Lieder wieder zu finden oder via „Lost Lost Lost World“ in einer Zeitkapsel eine Eigenanalyse Freudschen Umfangs zu starten, ist wieder jeder ähnlich Denkende eingeladen.

Die 11 Geschichten werden gesungen, gesprochen, geautotunt; es kontrastiert in optimistischen Klangfarben Folk-poppiges und Melodiöses – begleitet von säuselnden Streichern und lieblichen Background – deren Inhalte, kommt es in „Beton Ist Schweres Thema“ – einer Auseinandersetzung mit dem Material, aus dem jene Mauern sind, die dem Album wiederholt im Weg stehen – zum Punk-Rock Exkurs.

Selbst, wenn die „Lieder Vom Ende Des Kapitalismus“ längst verstummt sind, „Melancholie Und Gesellschaft“ inzwischen untrennbar zusammen gehört und „Das Ende Der Beschwerde“ scheinbar unerreicht bleibt: „Wenn Wir Alle Anders Sind“ wird immer noch Gelegenheit sein, in „Die Sprache Der Enden“ zu singen.

PeterLicht hilft dabei. Wem das nicht reicht, der greife zum Ibuprofenchen.

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