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Es besteht eine tiefe Verbindung zur Unterwasserwelt – Palace im Interview

Nach den beiden Erfolgsalben “So Long Forever” und “Life After” wollen Palace mit ihrem dritten Studiowerk “Shoals” den nächsten Schritt gehen. Entstanden in der Pandemie, präsentiert sich das neue Album eingebettet in ein lyrisches Konzept, in dem das Thema Angst und der Umgang damit eine tragende Rolle spielen. Wir trafen Leo Wyndham (Gitarre und Gesang), Rupert Turner (Gitarre) und Matt Hodges (Drums) zum Interview und sprachen über Unterwassergeheimnisse, spannende Zeiten und den Schlüssel für allzeit gute Laune.

MusikBlog: Auf dem neuen Album “Shoals” beschäftigt ihr euch intensiv mit dem Thema Angst. Diente der globale Angstverbreiter “Pandemie” dafür als Inspiration?

Leo Wyndham: Nicht ausschließlich, aber diese ganze Lockdown-Zeit war sicherlich ein wichtiger Einfluss. Man war plötzlich abgeschnitten von der Außenwelt. Auf einmal wurde der normale Alltag, so wie man ihn eigentlich kennt, komplett auf den Kopf gestellt. Man hatte plötzlich viel Zeit, in der man sich mit sich selbst beschäftigen konnte und auch musste. Man reflektiert dann viel, man macht sich Gedanken und dann entstehen natürlich auch Ängste.

MusikBlog: Die Unterwasserwelt dient den Gedanken und Emotionen in euren neuen Songs als Fundament. Welche Beziehung habt ihr zum Wasser?

Leo Wyndham: Für uns ist das Thema Wasser irgendwie immer präsent. Da besteht eine Verbindung zwischen unseren Gedanken und Gefühlen und all den Mysterien, die die Unterwasserwelt zu bieten hat. Wir wollten die Verbindung auch immer schon mal intensiver in unsere Arbeit mit einbinden. Diesmal hat es dann irgendwie gepasst. Ich meine, wenn man sich mit Ängsten und reflektierenden Gedanken beschäftigt, dann hat man automatisch dunkle und geheimnisvolle Orte vor Augen. Die Tiefe des Ozeans, das dunkle Unbekannte und auch die Angst davor kann man wunderbar mit dem realen Leben in Verbindung setzen.

MusikBlog: Pop, Rock und eine Prise Folk: Musikalisch präsentiert ihr euch sehr offen, opulent und warm.

Rupert Turner: Ja, auch in punkto Sound gibt es Verbindungen zur Unterwasserwelt. Die Songs sind sehr tief und in ihrer Stimmung vergleichbar mit vielen signifikanten Dingen, die man mit dem Ozean oder der Unterwasserwelt im Allgemeinen in Verbindung setzt. Das sagen uns die Menschen aber auch schon seit vielen Jahren, dass wir eben genauso klingen. Insofern passt das irgendwie sehr gut zusammen.

MusikBlog: Passend dazu habt ihr euch Leo Abrahams als Produzent mit ins Boot geholt.

Leo Wyndham: Ja, Leo stand schon seit längerer Zeit ganz oben auf unserer Wunschliste. Und diesmal hat es endlich geklappt. Das hat uns natürlich sehr gefreut. Er arbeitet mit einem sehr speziellen und unheimlich atmosphärischen Sound. Seine Arbeiten mit Brian Eno und Katie Melua sprechen da Bände. Für uns war es einfach die perfekte Kombination.

MusikBlog: Das Wasser, der Ozean, Leo Abrahams: Gab es noch andere Einflüsse, die euch während des Produktionsprozesses musikalisch begleitet haben?

Rupert Turner: Die Zeit vor dem Start der Produktion ist immer sehr aufregend. Das ist auch die Zeit, in der wir alle unheimlich viel Musik hören. Da kommt es auch schon mal vor, dass einem ein Song besonders gut gefällt und man die Vibes dann unterbewusst in den eigenen Songwritingprozess mit einbindet. Wir hören alle sehr unterschiedlich Sachen. So ist die Palette auch immer sehr breit, wenn es um Einflüsse geht.

MusikBlog: Du sprachst gerade von einer sehr aufregenden Zeit. So ein Produktionsprozess umfasst ja mehrere Phasen. Seid ihr eine Band, die sich am liebsten mit dem Schreiben von Songs beschäftigt, oder würdet ihr, wenn es denn ginge, lieber das ganze Jahr auf Tour sein und Konzerte geben?

Matt Hodges: Ich denke, dass jede Phase ihre besonderen Momente hat. Wenn ein Drum-Part oder die Gitarre oder der Bass mal nicht sofort passen, dann kann der Entstehungsprozess eines Songs auch mal sehr frustrierend sein. Auch, wenn man an einem Song länger arbeiten muss, dann ist das nicht immer leicht. Aber es gibt natürlich auch genau die entgegengesetzten Momente, wenn ein Song beispielsweise im Eiltempo entsteht und alle damit zufrieden sind. Das ist ein unheimlich befreiendes und tolles Gefühl. Bei Konzerten ist das ähnlich. Da läuft auch nicht immer alles perfekt. Wenn es dann aber passt, dann gibt es kaum etwas Schöneres.

MusikBlog: Gibt es in den Phasen, wenn Dinge irgendwo klemmen und nicht richtig funktionieren auch mal hitzige Diskussionen untereinander?

Leo Wyndham: Das passiert eigentlich nie. Natürlich diskutieren wir viel. Und wir sind untereinander auch nicht immer derselben Meinung. Wir werden aber nie laut. Und es kommt auch nie zu irgendwelchen Streitereien. Ich denke, dass wir in punkto Vision alle in einem Boot sitzen. Das hält uns fest zusammen. Wir wissen alle, was die Band für jeden Einzelnen bedeutet. Dementsprechend bewegen wir uns auch fast immer instinktiv in eine Richtung. Es kommt also kaum bis gar nicht zu irgendwelchen Reibereien.

MusikBlog: Alle hoffen, dass es demnächst live wieder so richtig nach vorne geht. Auch ihr plant, ab Februar wieder auf Reisen zu gehen. Auf welche Locations freut ihr euch am meisten?

Rupert Turner: Oh, das ist sehr schwer. Grundsätzlich freuen wir uns gerade auf jedes Konzert, egal wo wir spielen. Aber es gibt natürlich Songs, die auf Festivals besser funktionieren und andere, die sich in einem kleinen Club am besten entfalten. Draußen, drinnen, groß, klein: Jede Location hat ihre Vorzüge. Aber wie gesagt, nach den letzten beiden Jahren ist es uns wirklich egal, wo wir auftreten. Wir sind einfach nur dankbar, dass wir überhaupt wieder unterwegs sein dürfen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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