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PICTURES – It’s OK

Die Vorgeschichte von PICTURES ist eine ereignisreiche und bewegte. Sie beginnt mit der deutschen Grunge-Band Union Youth und ihrem Frontmann Maze Exler, die den großen internationalen Erfolg und damit auch die persönlichen Kämpfe damit durchlebte.

Exler trifft es mit Drogen-Exzessen und inneren Dämonen am härtesten, 2006 löst sich die Band auf. knapp 15 Jahre später wagt der Sänger mit seinem alten Bandkollegen Michael Borwitzky einen neuen Versuch mit der geliebten Musik: PICTURES sind geboren.

Der 2017er Dokufilm “Könige der Welt” zeigt diesen Aufstieg, den Fall und das Wiederfinden des eigenen Selbst in schmerzhaft intimen Bildern auf, ist aber rückwirkend nicht als Ende des alten Lebens, sondern als Anfang von etwas Neuem zu sehen. Denn mittlerweile hat sich ein neues Eigenleben entwickelt und das nicht mehr ganz so neue Quartett hat nun mit “It’s OK” bereits sein drittes Album herausgebracht.

Packend ist da auch die musikalische Emanzipation, die sich herauskristallisierte: Fing es mit dem 2017er Debütalbum “Promise” noch vorsichtig alternative-rockig, aber durchaus fröhlich an, bog “Hysteria” von 2019 links ab in Richtung Oasis-esken Brit-Pop und noch mehr Sonnenschein-Sound.

Mit den neuen Songs wird es noch abwegiger: “It’s OK” startet mit düsterem Post-Punk, erinnert gerade stimmlich an den Goth-Industrial-Rock von Placebo und versinkt in wunterschönen, jedoch kalten und bittersüßen Melodien – alleine bei der Single “Rockets” läuft es melancholisch den Rücken herunter.

Mit “In The Morning” folgt jedoch eine Zäsur, die das Album völlig anders ausrichtet. Die Brit-Pop-Ausflüchte finden sich hier wieder, wirken aber, als hätten die Gallagher-Brüder 1996 ihren Drogenkonsum in noch psychedelisch-sphärischere Sounds verwandelt:

Die Gitarren wabern, die Klangwände sind weich und warm und Exler gibt sich stimmlich so gefühlvoll wie entspannt. Die Songs treiben von poppigen Indie-Tracks über verzerrte und überlässige Heavy-Psych-Nummern bis hin zu hypnotischen Soundfetzen mit fast schon transzendentaler Energie. PICTURES geben sich so entfesselt und spielfreudig wie nie zuvor.

Zum ersten Mal fühlt man keinerlei Druck im Schaffen der Band, so kreativ antreibend dieser auch sein mag. “It’s OK” trägt da den passenden Albumtitel: Es ist auch mal okay, nicht immer nur zu müssen und stattdessen das zu machen, was einem selbst gut tut.

PICTURES scheinen dafür an einem guten Ort angekommen zu sein.

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