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Trotz Halloween-Look schaut Karin Dreijer einladend vom Cover der neuen LP aus ihrem Anzug, womit das Artwork der dritten Fever-Ray-Ausgabe in etwa dem entspricht, woraus sich die magische Anziehungskraft ihres Gesamtwerkes generiert.

Melodische Zugängigkeit und kontrapunktische Strenge, Sensibilität und Unnahbarkeit nährte den Drang, die Widersprüchlichkeit der Künstlerin hinter dem Klangkonstrukt zu entdecken, die mit der Clubtauglichkeit von „Plunge“ die klaustrophob-verschachtelte Soundwelt ihres Debüts zugunsten einer obsessiven LGBT+ Offensive öffnete.

„Radical Romantics“ ist ein wenig die Aftershow des Vorgängers, hegt und pflegt die ausgebrachte Saat, mit der 2017 das Feld der Leidenschaft bestellt wurde. Es entstanden mit Bruder Olof, lange Jahre The Knife Hausmusik-Partner und erstmalig seit „Shaking The Habitual“ an ihrer Seite, neue Tracks, die sich fordernd und sanft zugleich präsentierten.

Fever Ray pfeift weiter konsequent auf die Blicke hinter den Gardinen, spielt und singt gegen Intoleranz an, fragt im Opener so beschwörend wie beängstigend „Did you hear what they call us?“, schweißt zur Verteidigung von Lebensmodellen jenseits des Mainstreams zusammen.

Die Verteidigung von Freiräumen ist nicht das einzige Thema, um das sich die Schwedin dato sorgt, das im Video-Game-Klang-Style designte „Even It Out“ gedeiht dem Alpha-Mobber an einer Schule, zum Wohl des eigenen Kindes, direkte Selbstjustiz an.

Unter Ägide der Synthesizer verbinden sich hypnotische Basslines mit Industrial-Splittern (Trent Reznor und Atticus Ross sind mit von der Partie) und sperrigen Tonfolgen, „Shiver“ allenthalben, wenn effektverschobene Stimmharmonien in den Hintergrund treten und Karin Dreijer verletzlich und organisch klingt.

Die Dynamik von „Carbon Dioxin“ platzt aus allen Nähten, werden zu flackernden Melodie-Sequenzen „New Untensils“ gepackt, „Looking For A Ghost“ mit verspielter Unwucht angetrieben, driftet „North“ durch ein Meer der Lust, bevor „Bottom Of The Ocean“ in sich ruhend auf den Meeresgrund sinkt.

„Radical Romantics“ ist ein starkes Argument dafür, dass die Kraft der Liebe, der dieses Werk über weite Strecken vertraut, stark genug ist, die Welt zu wandeln.

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