Für die Record-Release-Show der vierten Wolf Alice-Platte war am gestrigen Freitag das kleine UT Connewitz auserkoren. Rund 500 Leute passen rein und der Laden war ausverkauft, im Ticketpreis enthalten war ein Vinyl-Exemplar von „The Clearing“.

Ein Auftritt einer großen Band in einem kleinen Rahmen dient üblicherweise auch als Feldversuch, um die Wirkung neuer Nummern unter Realbedingungen auszuloten und als Warm-Up größer dimensionierte Veranstaltungen – die Wolf Alice in weit größere Spielstätten wie zum Beispiel die Berliner Columbiahalle führen wird – vorzubereiten.

Beides funktionierte an diesem Freitagabend hervorragend, groß der Jubel, als Ellie Rowsell und ihre Jungs um 21:00 Uhr erschienen und sich mit dem ersten Ton von „White Horses“ – der letzten Single von der aktuellen Ausgabe – im dezent morbiden Charme des ehemaligen UFA-Lichtspielhauses sofort ein enges Verhältnis zwischen dem Team auf der Bühne und den Fans entwickelte.

Wolf Alice hatten nicht nur bestens funktionierende aktuelle Stücke – von der lässigen Live-Premiere von „Passenger Seat“ bis zu einer im Vergleich zur Platte voluminöseren Version von „The Sofa“ – im Gepäck, sondern knallten mit „Smile“ und „Delicious Things“ direkt zwei Knaller vom Vorgänger „Blue Weekend“ unter die Leute, die Bewegung vom Epizentrum vor der Bühne erreichte früh die Ränder des Venue.

Inzwischen hatte der Tonmann auch die Gesangsspur im Griff, es wäre auch schade, würde die Stimme der Frontfrau vom Sound verschluckt. In jeder Tonlage euphon, sang Rowsell die Schmetterlinge der verliebten „Just Two Girls“ direkt in die Bäuche des Publikums, bediente in der Rock-Operette „Bloom Baby Bloom“ eine Bandbreite von Kate Bush über Riot Girl bis zur Diva, verlieh „Thorns“ eine erhabene Eleganz und drehte auf, als es galt, „Formidable Cool“ die nötige Rotzigkeit zu verpassen.

Ellie Rowsell und die spielfreudigen Männer um sie herum wussten natürlich, dass Hits erwartet wurden. Ekstase im Saal, als die ersten Akkorde von „Bros“ erklangen, mit „Don’t Delete The Kisses“ zur ganz großen Melodie angesetzt wurde und zum Schluss per „Giant Peach“ noch einmal kräftig die Wände in einem Heavy-Shoegaze-Gewitter wackelten.

Leider verabschiedeten sich Wolf Alice danach schon vom begeisterten Publikum und egal, wie laut die Forderung nach einer Zugabe, das Konzert war vorbei. Die dynamischen 60 Minuten klingen sicher auch in Haushalten ohne Plattenspieler noch lange nach nach.

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Interview

Das ist immer so ein Hin und Her – Lilly Wood And The Prick im Interview

Album

Ari Lennox – Vacancy

Album

Lilly Wood And The Prick – Christina

Login

Erlaube Benachrichtigungen OK Nein, danke