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PJ Harvey – Live in der Zitadelle, Berlin

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Etwas Magisches lag gestern über der Zitadelle im Berliner Stadtteil Spandau. Schließlich hatte PJ Harvey zum einzigen Deutschlandkonzert ihrer “The Hope Six Demolition Projekt“ Tour geladen. Dass es trotz dieser Exklusivität noch Tickets an der Abendkasse gab, war vielleicht dem Umstand geschuldet, dass der Preis mit 70,- € doch manches Kulturbudget überschritt.

Auf dem ohnehin weitläufigen Areal, hatte das Publikum also genügend Platz. An dessen Zusammensetzung war ein wenig der Weg der Engländerin, von ihren gitarre-schwingenden Anfängen zu Beginn der Neunziger, hin zur Grand-Dame der Alternativmusik abzulesen. Aber egal, ob SO 36 Romantikerin oder Indie-Pionier im besten Alter – die versammelten Menschen waren erschienen, um einer Ausnahmemusikerin die Ehre zu erweisen.

Die Zeitlupen-Meister von Low trugen ihren Teil zu dem Ereignis bei. Eigentlich als Support unterfordert, ordneten sich die Amerikaner um Alan Sparhawk in die Choreographie des Abends ein, spielten mehrheitlich Stücke aus ihrem aktuellen Album „Ones and Sixes“, ohne dabei den hypnotischen Druck zu entwickeln, wie das die solitären Konzerte des Trios sonst machen.

Die Menschen vor der Bühne verhielten sich in der Umbaupause angemessen, eine Legende pfeift man schließlich nicht aus dem Green Room. Als Polly Jean Harvey zusammen mit ihren Jungs um Viertel nach Acht zu den Klängen von „Chain Of Keys“ und einer Marching-Band ähnlich einmarschierte, hielt sich das sonst an dieser Stelle übliche Gejohle vergleichsweise in Grenzen.

Da stand nun die Ikone im knappsten der Tour-Garderobe zu entnehmenden Kleid unter den schwarzen Federn, das auf der letzten Platte entdeckte und auf der Bühne gut repräsentierte Saxophon in der Hand. Dieses sollte der einzige Tonerzeuger bleiben, welchen die Mulitinstrumentalistin an diesem Abend bediente, keine Gitarre, keine Autoharp, dafür hatte sie schließlich ihre exquisite Band dabei.

Die Menschen folgten ihrem Charisma und den neuen Anliegen, die weniger von eigener Biographie und Selbstgeißelung, mehr von Ausgrenzung, Unterdrückung, Genozid und kriegerischen Auseinandersetzungen handeln. So ist auch das zweite Stück „The Ministry Of Defence“ von der neuen Platte eines, welches mit eigenwilliger Melodieführung diese Themen, die näher sind als uns allen lieb ist, in den Ohren und dem Gewissen der Zuhörer platziert.

Das funktioniert selbstverständlich auch mit der Eingängigkeit und dem Handclap von „The Community Of Hope“ bestens. Auf „Spoken-Words“ verzichtete die 46jährige, ihr Kommunikationskanal blieb der Gesang, untermalt mit der Theatralik ihrer Gesten.

Die Engländerin entwickelte auf der Bühne eine unglaubliche Präsenz, füllte die Tiefe des Raumes und dirigierte die gestandenen Musiker sowie das Auditorium, streichelte die Luft mit den Händen, tänzelte wie eine dunkle Ballerina auf einer Spieldose.

Weitere Songs der aktuellen Platte folgten, bevor mit „Let England Shake“, „The Words That Maketh Murder“ und „Glorious Land“ ein kleiner Block mit Stücken des vorherigen Albums folgte.

Angeführt von ihrem langjährigen musikalischen Begleiter John Parish und dem Musikgenie Mick Harvey wirkte die getragene Präzision, die die neun Herren dabei dem beachtlichen Fundus an Instrumentarium, aber auch als Chor in Moll den Stimmbändern entlockten, wie eine XL-Ausgabe der Bad Seeds. Angesichts der Menge an begnadetern Musikern relativiert sich auch der Eintrittspreis.

Die Setlist touchierte kurz die „White Chalk“ Platte, wendete sich aber schnell wieder dem aktuellen Material zu. Erst gegen Ende folgt doch noch die Zeitreise. „50 Ft Queenie“ von „Rid Of Me“ machte Dampf, Polly Jean begann jetzt auch mit den Anwesenden zu sprechen, machte dies auf Deutsch, bedankte sich und startete mit „Down By The Water“ einen der Songs, mit dem sie endgültig den Geheimtipp Status hinter sich ließ.

Danach stellt sie die Band vor und spielte „To Bring You My Love“, den dunkel-beschwörerischen Titeltrack vom 1995èr Album, um mit „River Anacostia“ den Hauptteil zu beenden.

Das Ensemble verschwand vorerst, damit konnte natürlich noch nicht Schluss sein. Sie kamen wieder, kramten mit „Working For The Man“ noch mal in der Vergangenheit, spielten „A Perfekt Day Elise“ von der „Is This Desire“, um erneut abzutreten.

Noch einmal klatschten die Begeisterten vor der Bühne sie heraus: „Near The Memorial To Vietnam And Lincoln“ zog den Schlussstrich unter einen großen Auftritt.

Die Sonne erreicht heute den Zenit ihrer Jahresbahn. Das Konzertjahr hat dies schon ein paar Stunden vorher geschafft.

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