Es gab eine Zeit, da dümpelten die Foo Fighters in ihrem eigenen Saft dahin. Die Rede ist von Alben wie „Medicine At Midnight“ oder „Concrete And Gold“, wo man schon nach dem ersten Hören wusste, dass wahrscheinlich keiner der Songs es je auf eine Konzert-Setlist schaffen würde. Wie auch, wenn man als einer der letzten Giganten im Rock-Business einen Backkatalog hat, der es einem erlaubt, eine dreistündige Show zu spielen und währenddessen ausnahmslos Hits abzufeuern.

Fakt ist, es würde wahrscheinlich kaum einen Fan stören, würden die Foo Fighters das Songschreiben an den Nagel hängen und nur noch mit Bekanntem touren. Die Tickets wären auch so innerhalb von Stunden vergriffen. Aber wenn man Dave Grohl kennt, weiß man, dass nichts seiner Person ferner liegt als Stilstand. Und mit „Your Favourite Toy“ liefern sie endlich wieder den Beweis, dass sich das lohnt.

Es ist viel passiert in den letzten Jahren. Mit „But Here We Are” verarbeitete die Band gleich zwei schmerzliche Verluste: den von Grohls Mutter Virgina, aber auch den ihres langjährigen Schlagzeuges Taylor Hawkins. Nach einem kurzen Intermezzo mit Josh Freese wurde dessen Hocker nun endlich wieder gefüllt, und zwar mit Ilan Rubin, der sich perfekt in den kantigen Sound des neuen Albums einfügt und für den nötigen Drive sorgt.

Schon der Titelsong „Caught In The Echo” präsentiert eine der großen Stärken der Foo Fighters und paart harte Gitarren mit einer hymnischen Bridge. Grohls Gekeife zu Beginn klingt nach Angriff und der gelingt.

Es gibt auch nachdenklichere Momente auf „Your Favourite Toy“. In „Child Actor“, dessen eingängiger Refrain sich sofort im Gehörgang festsetzt, sinniert Grohl über ein Leben, in dem man nicht ständig eine Kamera vors Gesicht gehalten bekommt.

Wer die News um den bis dato „nicest guy in Rock’n’Roll“ in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß, dass ihm dieser Titel mit der Bekennung zu einem unehelichen Kind abhanden gekommen ist, und er sich sicher hätte Schöneres vorstellen können, als dieses sensible Thema unter der Lupe der Öffentlichkeit auszutragen.

Doch generell dominiert die Rotzigkeit auf „Your Favourite Toy“. Vielleicht ist dies auch dem geschuldet, dass die Foo Fighters die Produktion dieses Mal wieder selbst in die Hand nahmen und sich nicht, wie bei den letzten Alben, auf Greg Kurstin verließen. Wie könnte man besser zu seinen Wurzeln zurückfinden als so?

Genau das ist den Foo Fighters mit ihrem mittlerweile 12. Studioalbum definitiv gelungen. Es eckt, es kantet, es keift, es prescht ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne und entfaltet genau dadurch eine Dringlichkeit, die der Band aus Seattle zuletzt fehlte.

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